Tagebuch 1

Nairobi, den 3.3.2014

Liebe Freunde,

bis vor kurzem stand an dieser Stelle, es wäre noch nichts Erzählenswertes passiert. Nun, das hat sich inzwischen gründlich geändert. Die letzten Wochen waren eher etwas zu viel als zu wenig Action. Der Hauptgrund war, dass Wolfgang sich bei der Zeit, die er zum Renovieren des Busses brauchen wollte, gründlich verkalkuliert hat. So etwa um das Doppelte!

Die Konsequenz: aus dem gemütlichen Bummel von Namibia hoch nach Ostafrika ist die Rallye Windhoek-Nairobi geworden. Und das Beste: wir haben gewonnen! Fast 5000 km in gut einer Woche, ohne jegliche Panne! Nur fahren, tanken, schlafen, essen. Und vier zum Teil ziemlich nervige und teure Grenzen.

Wir hatten den Töchtern von Freunden angeboten, dass sie uns in den Semesterferien in Ostafrika besuchen. Vor knapp 20 Jahren hatten wir mit großem Vergnügen dasselbe mit ihren Eltern in Südafrika gemacht. An solchen Ereignissen merkt man überdeutlich, wie die Zeit vergeht.

Zeitlose Grüße von

Anette & Wolfgang

Tagebuch  17.11.2013 bis 4.2.2014

Sonntag, 17. bis Mittwoch, 20.11.13 (München-Windhoek, Arebbusch Lodge):  Vor genau 20 Jahren und einer Woche haben wir uns zum ersten Mal von Windhoek aus auf den Weg durch den Süden Afrikas gemacht. Unser Bus war einige Wochen vorher per Container auf die Reise gegangen und wir hatten ihn in Walvisbay abgeholt. An sich wollten wir ja nur einen längeren Urlaub in Namibia und seinen Nachbarländern verbringen und danach den Bus wieder nach Deutschland zurück verschiffen. Doch schon nach wenigen Kilometern in der Namib-Wüste wussten wir, dass das eine längere Beziehung werden würde. Eine viel längere.

Zusammengerechnet haben wir inzwischen fast vier Jahre im Süden und Osten Afrikas verbracht. Dabei sind knapp 200.000 km unter die Räder gekommen, was zwangsläufig nicht ohne Blessuren abgegangen ist. Mancher Kilometer tat richtig weh. Buckelpisten, Dornen, Sand, Felsen, Wellblech, Wasser, Hitze. Alles, was ein Auto nicht braucht.

Damit wären wir schon beim Programm für dieses Jahr. Es ist Zeit für eine Generalsanierung des Busses. Vor zwei Jahren haben wir mit den vorderen Türen begonnen, letztes Jahr kamen Schiebetür und farbige Streifen dran und dieses Jahr soll der Rest folgen: Umbau des Innenraums wegen eines neuen Kompressorkühlschranks, Schweißen einiger Stellen an der Karosserie, Ausbau des Motors zur Überholung, das Gleiche für die Wassertanks unterm Fahrzeugboden und schließlich noch neuer Lack ringsum. Und weitere 100 Kleinigkeiten. Volles Programm für einige Wochen.

Heute also zum 21. Mal in den Flieger nach Süden. Doch zunächst mit der Bahn nach Frankfurt, dann nonstop mit einem nagelneuen Airbus nach Windhoek. Wie immer mit zu viel Gepäck (allein der Kompressorkühlschrank bringt sperrige 20 kg auf die Waage). Und wie (fast) immer zunächst nur Wolfgang. Anette wird drei Wochen später hinterher fliegen und in der Zwischenzeit all’ die Ersatzteile besorgen, von denen Wolfgang bis jetzt noch nichts weiß oder die in Windhoek nicht aufzutreiben sind.

Kurz nach 7 Uhr morgens landet die Maschine in Windhoek und gut zwei Stunden später läuft der Motor des Busses.

Die nächsten Tage sind damit ausgefüllt, das mitgebrachte Gepäck auseinander zu sortieren und alles aus dem Bus heraus zu räumen, was für die nächsten Reparaturen nicht unbedingt nötig ist.

Donnerstag, 21.11. bis Donnerstag, 12.12.13 (Gästefarm Elisenheim, Windhoek):  Jetzt geht’s richtig los. Bisher war alles nur ein nettes Vorgeplänkel, doch ab heute wird ernsthaft geschraubt. db_13-0107Der Standort für die nächsten Wochen ist die Gästefarm Elisenheim, 10 km außerhalb Windhoeks. Hier am Hang eines Bergrückens mit Blick in den Sonnenuntergang ist es wenigstens ein bisschen afrikanisch, da macht das Arbeiten gleich viel mehr Spaß. Schöne Umgebung, viel Platz, Schatten unter einem Reetdach (und manchmal Regenschutz), nette Leute und ein paar weniger nette Paviane (sie klauen wie die Raben).

“Neuer Kühlschrank” hört sich an wie eine Kleinigkeit. Alter raus, neuer rein, anschließen, fertig!

Denkste!

Der alte holt sich seine Kühlluft von außen, der neue aus dem Innenraum. Also alte Einlässe zuschweißen und neue Luftführung nach innen bauen. Dazu muss quasi die ganze linke Seite im Bus frei gemacht werden. Schrank, Bank und Tank müssen raus (nein, nicht der normale Benzintank, sondern ein Zusatztank), dann noch der Fußboden, die Innenverkleidungen und die Seitenscheibe (da ist Rost unterm Gummi). Wenn alles draußen ist, kommen Bleche zum Vorschein, die seit 35 Jahren keine Sonne mehr gesehen haben. Und es ist unklar, ob sie die Zeit unbeschadet überstanden haben.

Leider fehlen in der Breite ein paar Millimeter für den neuen Kühlschrank, so dass die Nachbarn ein wenig abgeben müssen, was einen ganzen Rattenschwanz an Umbauten nach sich zieht. Ein Schrank kann halt nicht so einfach um fünf Millimeter schmaler gemacht werden. Ein Tank auch nicht.

Nach einem Tag ist alles draußen. Es gibt keine bösen Überraschungen, ganz im Gegenteil, es sieht alles ziemlich gut aus. Kein Rost und keine sonstigen Schäden.

Eine Woche später: die fehlenden Millimeter sind gefunden, die Lüftungsauslässe zugeschweißt und gespachtelt, die Isolierungen und Verkleidungen erneuert, die neuen Kabel verlegt.

Leider regnet es immer wieder mal. Dann muss Wolfgang ganz hektisch alles wasser- und sturmdicht verpacken und ein paar Stunden Pause machen.

Nach einer weiteren Woche ist endlich die Farbe am Fensterrahmen hart genug, um die neue Dichtung einsetzen zu können. Jetzt ist wenigstens die Seitenwand regenfest. Und diebstahlsfest, so dass der Bus wieder auf einem normalen Supermarkt-Parkplatz abgestellt werden kann.

Eines Mittags wandert ganz unbekümmert ein kleiner Skorpion über den Tisch. Da hat er Wolfgang gerade in der richtigen Stimmung erwischt, denn einige Stunden vorher hatten Paviane ein Glas mit Farbe für den Bus geklaut, aufgebissen und sich übers Fell gegossen. Jetzt läuft in den Bergen ein Affe mit marinogelber Brust herum. Hoffentlich finden die anderen Affen das nicht attraktiv, sonst stehen sie hier Schlange. Eine Plage sind sie ohnehin, denn sie kommen jeden Morgen bei Sonnenaufgang vorbei und durchsuchen die Mülltonnen. Leider packen sie den herausgewühlten Müll hinterher nicht wieder zurück in die Tonne, sondern dekorieren ihn über den gesamten Platz. Deshalb heißt abends die Devise, nichts draußen stehen zu lassen, was für ein Affenhirn interessant sein könnte. Farbe ist offensichtlich interessant.

db_13-0110Der Skorpion muss es ausbaden. Er wird als erzieherische Maßnahme für ein paar Tage in ein Gurkenglas eingekerkert und nach Absitzen der Strafe einen halben Kilometer vom Camp entfernt begnadigt mit der Auflage, sich in Zukunft fern zu halten.

Einen Tag bevor Anette kommt, läuft der neue Kompressorkühlschrank. Uiiuii, gerade noch rechtzeitig. Es wurde aber auch Zeit, der Umbau hat doppelt so lange gedauert wie geplant. Doch es hat sich gelohnt: er braucht weniger Strom, ist leiser und kühlt viel besser. Und der neue Kühlraum aus Edelstahl sieht nebenbei auch noch richtig gut aus. Er hat sogar Licht.

Freitag, 13.12.13 (Gästefarm Elisenheim, Windhoek):  Gestern Nachmittag ist Anette in München aufgebrochen, heute morgen kommt sie hier an. Aus unerfindlichen Gründen landet die Maschine aber eine Stunde früher, so dass sie schon draußen steht, als Wolfgang auf den Parkplatz fährt. Nach dem obligaten Besuch bei ihrer Tante und einem Einkauf im Supermarkt (ab jetzt wird wieder vernünftig gegessen, mal auf die Schnelle einen Müsliriegel als Mittagessenersatz geht jetzt nicht mehr). Außerdem müssen einige Dinge im Container bleiben, die ich nachts einfach aufs zweite Bett gestellt habe. Das ist jetzt anderweitig belegt.

Samstag, 14. bis Montag, 23.12.13 (Gästefarm Elisenheim, Windhoek):  Eigentlich sollte bis Weihnachten noch der Motor raus, doch das wird zu knapp. Spätestens am 20. Dezember wird in Windhoek der Geschäftsbetrieb eingestellt, da dann alle, die können, aufs Land zu den Verwandten oder in den Urlaub an die Küste fahren. Bis in den Januar ist hier die Hauptreisezeit. Deshalb kommt der Motor erst Anfang nächsten Jahres dran, da arbeiten die Werkstätten und Ersatzteilhändler wieder.

Der Kompressorumbau ist zwar noch nicht ganz fertig, denn die Außenwand mit den zugeschweißten Öffnungen muss noch geschliffen und lackiert werden, doch das kommt als letztes dran. Vorher werden wir die vor 30 Jahren eingebauten Wassertanks unterm Fahrzeugboden demontieren und nachschauen, ob über den Tanks das rostbraune Grauen lauert.

Einige Stunden später liegen die Schutzbleche unterm Fahrzeug im Gras und die Tanks kommen uns entgegen. Sie sind aus dickem Kunststoff und haben die Zeit anstandslos überstanden. Doch sie sind schwer, als wären sie noch voll Wasser, obwohl wir alles abgelassen haben. Das Geheimnis: über den Tanks bis zum Fahrzeugboden sind 5 cm Luft. Oder besser: war Luft. Jetzt ist dort eine festgebackene dicke Schicht aus Sand, Lehm, Pflanzenresten, Vogelnestern und sonstigem Müll, der den Weg in den Hohlraum gefunden hat. Eine gedrängte Übersicht über den Straßendreck der letzten 30 Jahre.

Mit beiden Händen schaufeln wir die Hohlräume leer. Die nicht lösbaren Teile ergeben sich erst, als Wolfgang sie mit einem dicken Wasserstrahl herausschießt. Eine Wurzelbürste tut ein übriges, um den eigentlichen Fahrzeugboden wieder zum Vorschein zu bringen. Und siehe da: ein paar kleine Roststellen, wo die Tanks die Karosserie berührt haben, und ansonsten nichts als jungfräulicher Teer-Unterbodenschutz von 1984. War wohl gute Qualität damals.

Neue Dichtungen, neue Schläuche und neue Kabelanschlüsse, dann können die Tanks und Schutzbleche wieder rein. Für die nächsten 30 Jahre.

Eine Baustelle weniger.

Dienstag, 24. bis Donnerstag, 26.12.13, Weihnachten (Windhoek):  Anette ist bereits bei Ihrer Tante und Wolfgang räumt noch unsere ”Werkstatt” in Elisenheim zusammen. Über Weihnachten ist Arbeitslosigkeit angesagt.

Gegen Mittag am Heiligabend, als fast alles bereits in den Bus gepackt ist, zieht sich der Himmel bedrohlich zu. Wenige Minuten später blitzt und scheppert es und ein Tropenregen platzt vom Himmel.

Jetzt muss es schnell gehen, denn innerhalb weniger Minuten kann aus dem Trockenfluss, der an Elisenheim vorbei fließt, ein unpassierbares Gewässer werden. Dann wird’s nichts mit einem gemütlichen Heiligabend.

Wolfgang wirft die letzten Sachen ins Auto und haut ab. Gerade noch rechtzeitig, denn wie wir später erfahren, ist er der letzte, der an diesem Abend den Fluss passieren kann. Die Zu- und Abfahrten werden einen halben Meter hoch weggespült, da muss erst ein Lkw oder Bagger drüber fahren, um sie einzuebnen.

Nach sechs Kilometern kommt endlich der Asphalt, doch als hätte das Gewitter nur auf diesen Augenblick gewartet, legt der Regen noch mal kräftig zu. Am Straßenrand warten etliche Autos, deren Scheibenwischer es nicht schaffen, doch da Hornvögel letztes Jahr unsere Scheibenwischer systematisch zerlegt haben, sind wir jetzt bestens mit neuen Blättern ausgerüstet und können weiterfahren.

Allmählich lässt der Regen nach, doch inzwischen hat sich so viel Wasser gesammelt, dass es in breiten Bächen aus den Seitenstraßen strömt. Autofahren ist wie Boot fahren, rechts und links schießt das Wasser zur Seite und wenn ein Fahrzeug entgegenkommt, knallt es regelrecht auf der Windschutzscheibe und man hat ein paar Sekunden Blindflug.

Glücklicherweise läuft Wolfgang auf einen großen Lkw auf, der nicht nur das Wasser in hohem Bogen von der Straße bugsiert, sondern hinter dessen breitem Rücken auch keine Gefahr vom Gegenverkehr droht. Die gehen alle brav zur Seite.

Laut Regenmesser bei Anettes Tante sind gut 40 mm Wasser vom Himmel gekommen. Das war vermutlich das begehrteste Weihnachtsgeschenk, dass man dem Land machen konnte. In der letzten Regenzeit ist der Segen weitgehend ausgeblieben, was schon wieder Befürchtungen wie zur großen Trockenheit in den Neunzigern aufkommen ließ.

Und noch ein sehr spezielles Weihnachtsgeschenk. In ein paar Tagen kommt die Tochter von Anettes Tante samt Familie aus den USA. Dazu muss ein Feldbett aufgebaut und gespannt werden, welches sich massiv dagegen wehrt. Wolfgang beißt die Zähne zusammen und drückt mit aller Kraft. Plötzlich kullert etwas Hartes in seinem Mund herum. “Lass’ es nicht das sein, nach dem es sich anfühlt” ist der erste Gedanke. Leider der richtige, denn bei genauerer Betrachtung sieht es aus wie ein Schneidezahn. Er ist beim Zähne zusammenbeißen glatt über der Wurzel weggebrochen.

Für die nächsten Tage sieht Wolfgang ein wenig asozial aus, wenn er den Mund aufmacht. Also besser den Mund halten. Im Übrigen ist vor einem Jahr ebenfalls in Windhoek dasselbe mit einem anderen Schneidezahn passiert.

Der weitere Heiligabend ist so, wie Heiligabend sein muss, wenngleich Wolfgang etwas wortkarg bleibt.

Auch die beiden nächsten Tage sind ebenfalls eher ein Kontrastprogramm zu den letzten sechs Wochen: gefräßiges Nichtstun. Mit einer kurzen Ausnahme. Wolfgang kullert schon wieder etwas Hartes im Mund herum und der Gedanke ist fast der gleiche “Lass’ es eine Nussschale sein!” Doch dieses Mal ist es kein Zahn, sondern “nur” ein Gold-Inlay eines Backenzahns, das 20 Jahre alt ist und seine Lebensdauer eigentlich schon überschritten hat. Aber warum ausgerechnet jetzt? Wenn das so weitergeht, dann ist Wolfgang in einem Monat zahnlos.

”Es ist noch Suppe da ...”

Freitag, 27. bis Montag, 30.12.13 (Gästefarm Elisenheim, Windhoek):  In den nächsten Tagen werden wir uns um ein paar kleinere Baustellen kümmern, bevor es dann an die letzten beiden großen geht, den Motor und die Lackierung.

Zunächst die Dachverkleidung im Hubdach. Dort sickert immer wieder Wasser ein, weil es technisch gar nicht dicht sein konnte. Wolfgangs Konstruktionsfehler vor 30 Jahren. Oder jugendliche Dummheit.

Nach zwei Tagen Arbeit sitzt die neue Innenverkleidung und ist nach außen solide abgedichtet.

Außerdem wäre es schön, wenn eine entsprechende Schutzplatte unterm Auto verhindern würde, dass wir wieder so viel Dreck auf die Wassertanks laden.

Auch das ist bald erledigt.

Dienstag, 31.12.13, Sylvester bis Donnerstag, 2.1.14 (Windhoek):  Heute Abend trifft sich eine ziemlich bunte Gesellschaft: Anettes Tante, ihre Tochter samt Familie aus Boston/USA, die Gasteltern der Enkelin, als sie als Austauschschülerin in Deutschland war, der Bruder der Tante aus Windhoek und wir.

Es wird ein langer und sehr angenehmer Abend, der, anders als in Deutschland, nicht durch stundenlanges Böllern gestört wird. Feuerwerk und Knallkörper sind hier nämlich verboten. Die einen sagen, weil sonst die Tiere unruhig werden, die anderen, weil die Grasdächer leicht Feuer fangen könnten. Beides dürfte stimmen. Ein paar Mal sieht und hört man zwar etwas, doch im Großen und Ganzen hält man sich hier an das Verbot. Schade, dass so etwas in Deutschland nicht funktioniert.

Neujahr und am Tag danach ist noch mal ein wenig Entspannung angesagt, bevor es am Freitag zur Sache gehen soll. Wir haben einen überdachten Platz in der Werkstatt der Spedition reserviert, um dort den Motor herauszunehmen. Außerdem könnte es sein, dass am Wochenende sogar ein Schweißer in der Werkstatt ist. Der könnte gleich an Ort und Stelle unsere Heizungs- und Auspuffanlage schweißen, dann hätten wir alles auf einem Rutsch fertig. 

Freitag, 3. bis Dienstag, 7.1.14 (Transworld Cargo, Windhoek):  Wir haben erfolglos versucht, für Anette eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe der Spedition zu finden. Es ist leider alles ausgebucht. Da wir den Wagen hinten ziemlich hoch aufbocken müssen, um den Motor herausziehen zu können, steht auch das Bett schräg, was Anette gar nicht mag. Doch wir werden es zwangsweise einmal ausprobieren müssen.

Schon am ersten Abend liegt der ausgebaute Motor hinter dem Bus. Er sieht allerdings furchtbar aus, denn das ausgelaufenen Öl hat sich mit Staub zu einer festen Kruste verbunden. Vor der Reparatur muss das Zeug erst einmal abgeschabt werden.

Die Nacht war gar nicht so schlecht - oder wir waren einfach zu müde, um die Schräglage noch zu bemerken. Obendrein hatten wir eine heiße Dusche! Einer der Lkw-Fahrer hat uns seinen Schlüssel zu den Waschräumen geliehen. Bis jetzt wussten wir gar nicht, dass hier so etwas existiert. Nach dem Duschen sind wir regelrecht ins Bett gefallen.

Auch der nächste Tag ist ziemlich erfolgreich. Schon nach wenigen Stunden sind die Teile, die geschweißt werden müssen, ausgebaut. Die Rohre waren so dünn gerostet, dass wir sie nicht mehr dicht bekommen haben und Abgase austraten.

Tatsächlich ist einer der Schweißer in der Werkstatt, weil er übers Wochenende noch einen großen Lkw fertig machen will. Zwischendurch findet er Zeit, sich unseres Auspuffs anzunehmen.

Danach ist der Generator dran. Wenn er kalt ist, dann jault er manchmal wie eine Turbine. Die Kugellager sind fertig und die Kohlen abgenutzt. Um in Windhoek Arbeit zu sparen, haben wir bereits in München einen Generator aufgearbeitet und müssen ihn jetzt “nur” noch einbauen.

Am Sonntag ist die Kupplung dran. Hier ist reichlich Öl ausgetreten, weil eine Dichtung nicht an sich halten konnte. Leider ist dabei auch die Kupplungsscheibe durchtränkt worden, die deshalb auf den Schrott kann. Und wenn wir schon mal dabei sind, werden alle in der Nähe liegenden und austauschbaren Teile ebenfalls erneuert.

Am Montag ist wieder normaler Betrieb in der Werkstatt und wir haben Pressluft zur Verfügung. Wir müssen nämlich den Benzintank anlupfen, um ihm neue Unterlagen zu spendieren. Die waren beim letzten Ausbau zu dünn ausgefallen und es besteht die Gefahr, dass der Tank an der Karosserie scheuert. Da der Hohlraum, in dem der Tank untergebracht ist, nach unten offen ist, sammelt sich hier immer jede Menge Staub. Vor ein paar Jahren haben wir schon mal einen großen Eimer voll Dreck herausgeholt.

Dieses Maldb_13-0125 wollen wir’s uns mit Pressluft etwas leichter machen. Wolfgang schiebt den Schlauch zwei Stunden lang in jede Ritze des Tankraumes und hüllt die Werkstatt in eine große Staubwolke ein. Am Ende ist die ganze Umgebung des Busses beigegrau gepulvert. Wolfgang ebenfalls.

Heute lohnt sich die Dusche.

Am Dienstag ist endlich alles soweit vorbereitet, dass der Motor wieder an seinen angestammten Arbeitsplatz zurück kann. Zwar dauert es doch noch bis zum Abend, ehe alle Schläuche und Kabel richtig angeschlossen sind, doch dann kommt der Moment, den Zündschlüssel umzudrehen.

Er läuft! Der Sound ist etwas weniger blechern als vorher, weil der Auspuff wieder dicht ist. Und auch alle Schlauchanschlüsse und Dichtungen bleiben trocken, so dass einer Probefahrt zu Anettes Tante nichts mehr im Wege steht.

Mittwoch, 8. bis Montag, 13.1.14 (Gästefarm Elisenheim, Windhoek)  An sich wollten wir einige Tage in der Arebbusch Lodge bleiben, weil die viel näher an der Stadt liegt. Doch als wir am zweiten Tag auf unseren Platz zurück kommen, haben sich da südafrikanische Buren breit gemacht. Sie haben kurzerhand unseren Tisch und die Stühle zur Seite gestellt und ihre Zelte aufgebaut. Sie wollen uns allerdings ernsthaft weis machen, die Sachen hätte jemand anderes zur Seite gestellt. Nun sind Buren nicht gerade als besonders rücksichtsvoll bekannt, ganz im Gegenteil. Wir hatten da schon ein paar Erfahrungen.

Bis Mandela an die Macht kam waren sie die Herren über Südafrika und die Vorkämpfer der Apartheid. Doch seit dem haben sie mächtig an Einfluss verloren. Ihre Provinzen wurden zerlegt, die alten Burennamen getilgt, ihre Rolle in Wirtschaft und Politik beschnitten. Aber die alten Verhaltensmuster, nämlich dass ihnen die Welt gehört, sind nicht so leicht abzutrainieren.

Da sich das Management der Lodge außer Stande sieht, eine vernünftige Lösung zu finden, verlangen (und bekommen) wir unser Geld zurück und gehen in ein anders Camp in Windhoek. Am “Urbancamp” waren wir bisher immer vorbei gefahren und es hat auf uns von außen keinen überzeugenden Eindruck gemacht. Doch welch’ ein Irrtum! Innen wartet eine wirklich stilvolle, fast luxuriöse Anlage. Jeder Platz hat eine überdachte Terrasse, eigene 1a Toilette und Dusche, alles funktioniert und ist sauber. Hier werden wir öfter her kommen.

Wir waren seit fast 20 Jahren Stammgast in Arebbusch und haben dort sicher einige tausend Euro gelassen, doch der Feind des Guten ist der Bessere. Jetzt haben andere ihre Chance.

Die nächsten Tage bleibt Anette bei ihrer Tante, während Wolfgang wieder ‘raus nach Elisenheim fährt. Der Wagen wartet noch auf einen neuen Vergaser, der Motor muss richtig eingestellt werden und schließlich wollen wir den Bus ja auch noch lackieren.

Die vergangenen Jahre sind nämlich nicht ohne die eine oder andere Beule abgegangen, auch ein paar Roststellen gibt es und die Karosserie hat zwei Risse, die versteift und geschweißt werden müssen. Es wird ein paar Tage dauern, ehe das alles lackierfähig ist.

An sich wollte Wolfgang die Fahrzeugfront erst beim nächsten Mal lackieren, denn da ist einiges an Vorbereitung zu investieren, weil die Front ja den Steinschlagsegen immer als erste abbekommt. Doch Anette findet, dass das nicht schön aussieht, ringsum neu und vorne alt. Na ja, da hat sie wohl recht, auf zwei Tage Mehrarbeit kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Dienstag, 14. bis Freitag, 17.1.14 (Windhoek):  Jetzt, wo die Arbeiten am Bus so langsam in die Zielgerade einbiegen, kommt eine andere Baustelle wieder in den Fokus. Wolfgang sieht ja immer noch ein wenig asozial aus, wenn er den Mund aufmacht. Zudem ist die Weihnachtspause vorbei, auch für Zahnärzte.

Dank einer Empfehlung eines Windhoeker Bekannten bekommt Wolfgang sofort einen Termin. Nicht nur einen, sondern in den nächsten vier Tagen an jedem Vormittag.

Die Praxis ist auf dem neuesten Stand der Technik. Computerisiert, digitales Röntgen, moderne Technik. Wie ein guter Zahnarzt in Deutschland. Nur billiger, was aber vor allem Wolfgangs Versicherung freuen wird.

Am Ende der Woche sind die Zähne wieder in Ordnung. Auto reparieren dauert länger.

An einem der zahnarztfreien Nachmittage will Wolfgang einen Teil des orangenen Streifens lackieren, nämlich den zugeschweißten ehemaligen Kühllufteinlass. Es klappt auch alles gut und der Lack glänzt, wie er soll. Dann ziehen plötzlich Wolken auf und der Wind frischt auf. Kein Problem, denn der Bus steht ja gut geschützt unter einem großen Dach.

Eine Viertelstunde später sieht die Sache ganz anders aus. Der Wind hat sich zu einem db_13-0133Sturm ausgewachsen, der Nieselregen zu einem Wolkenbruch. Die Tropfen kommen waagerecht angeflogen und obwohl der Bus zehn Meter von der Dachkante entfernt steht, wird er geduscht. Der noch nicht trockene Lack ebenfalls. Und ein Fußbad gibt es gratis dazu.

Jetzt hat der orangene Streifen Zellulitis, äh Orangenhaut. Doch für dieses Jahr muss das so bleiben und es fällt erstaunlicherweise gar nicht so sehr auf.

Samstag, 18.1.14 (Transworld Cargo, Windhoek):  Heute kein Zahnarzt, ein ganz neues Gefühl. Statt dessen, wie schon gestern, stundenlanges Schleifen-Spachteln-Schleifen-Spachteln. Auch wenn der Zahnarzt weniger anstrengend war, jetzt sieht man wenigstens, wie es vorangeht und muss nicht bewegungslos mit offenem Mund herumsitzen.

Am Nachmittag geht’s in die Werkstatt. Der bange Blick zum Himmel verheißt Gutes. Zudem haben wir dieses Mal einen Platz, der von drei Seiten geschlossen ist. Trotzdem, ohne Regen und Sturm wär’s schöner.

Als Erstes muss alles abgebaut werden, was beim Lackieren im Wege ist. Stoßstangen, Reserverad, Lampen, Scheibenwischer. Dann noch all’ die Teile, die man besser waagerecht liegend spritzt, also Motorklappe, Beifahrertür, Frontgitter.

Am Abend steht der Bus ziemlich nackt da und wartet darauf, verpackt zu werden.

Sonntag, 19.1.14 (Transworld Cargo, Windhoek):  Christo hätte seine Freude an uns gehabt. Nach und nach wickeln wir den Bus in große Kunststofffolien ein. Leider entdecken wir noch ein paar unschöne Fehlstellen im alten Lack, die der Nachbehandlung bedürfen.

Das Abkleben zieht sich deutlich länger hin als geplant. Hinzu kommt, dass vorher ein weiterer farbiger Streifen lackiert werden muss, ebenfalls wegen des Kühllufteinlasses, der vor dem Weiterarbeiten erst durchtrocknen muss.

Dieses Mal geht es ohne Unwetter ab.

Kurz nach Sonnenuntergang ist es dann endlich so weit. Der Bus ist sauber abgeklebt und genügend Farbe angerührt.

Während Wolfgang mit der Spritzpistole ums Auto läuft, leuchtet Anette mit dem Halogenscheinwerfer und sorgt dafür, dass wir uns nicht in den Kabeln verheddern.

Das eigentliche Lackieren ist eine Sache von wenigen Minuten für die erste Lage. Zwei weitere folgen nach größeren Pausen zum Antrocknen.

Eine Stunde später sind wir fertig. In einigen Ecken ist es nicht so prickelnd geworden, doch an allen Stellen, die man deutlich sieht, hat’s prima geklappt.

Das Reinigen der Geräte dauert länger als das eigentliche Lackieren. Zwar sind wir hundemüde, doch das muss jetzt noch erledigt werden, denn morgen ist die Farbe trocken. Und die Farbe ist wirklich überall.

Noch etwas muss sofort erledigt werden. Die Klebebänder vom Abkleben müssen wieder runter, denn auch das muss bei noch feuchter Farbe passieren, sonst gibt es keine schöne glatte Kante.

Als endlich alles geschafft ist, ist Mitternacht lange vorbei. Dann noch etwas essen und duschen und kurz vor drei Uhr fallen wir todmüde ins Bett. Das waren 20 Stunden im Stück.db_13-0138

Montag, 20. bis Freitag, 24.1.14 (Windhoek):  Die Nacht ist 6:30 Uhr zu Ende. Da wir nicht wissen, wann der Platz in der Werkstatt wieder gebraucht wird, wollen wir das Auto so schnell wir möglich fahrbereit bekommen. Denn alles, was wir vorgestern abgebaut haben, muss ja auch wieder dran.

Später erfahren wir, dass wir uns bis heute Abend Zeit lassen können. Diese Zeit brauchen wir auch. Endlich, es ist schon wieder dunkel, rollen wir vom Gelände.

Ein paar Tage Arbeit müssen wir noch investieren, um alles in einen reisefertigen Zustand zu bringen. Denn schließlich müssen wir eine zweimonatige Baustelle in ein bewohnbares Haus zurückverwandeln. Außerdem hat der Umbau des Kühlschrankes die Stauräume verändert. Viele Dinge passen nicht mehr an ihren angestammten Platz und wir müssen eine neue Ordnung finden.

In Elisenheim erleben wir so ganz nebenbei etwas, was es zwar häufig in Namibia gibt, das man aber nur selten so hautnah sieht: ein Fluss entsteht. db_13-0116Das Döbra-Ridb_13-0121vier, ein breites Trockenflussbett, das direkt am Camp vorbei führt und das man an 364 Tagen im Jahr problemlos durchqueren kann, wird zu einem richtigen kleinen Fluss. In den Bergen hat es geregnet und die graue Brühe marschiert ins Tal. Nach wenigen Minuten ist er 50 Meter breit, aber nicht tief, so dass man sicher noch hindurch fahren könnte.

Müssen wir aber nicht.

Samstag, 25.1.14 (Windhoek):  Eigentlich sind wir ja schon seit einem Monat auf Achse, irgendwo zwischen Süd- und Ostafrika. Aber nur eigentlich. Wir hatten anfangs noch darüber nachgedacht, ob wir kurz vor Weihnachten oder erst in der darauf folgenden Woche losfahren wollen.

Soweit zur Planung!

Den Töchtern von Freunden haben wir angeboten, in ihren Semesterferien im Februar ein paar Wochen mit uns durch Afrika zu reisen. Wir hatten geplant, um diese Zeit bereits in Kenia zu sein. Schon wieder Planung! Tatsächlich sind wir knapp 5000 km südlich davon. Doch die beiden landen unweigerlich am 6. Februar in Nairobi.

Vor 19 Jahren haben wir mit großem Vergnügen dasselbe mit ihren Eltern gemacht. Damals waren wir allerdings besser in der Planung.

Wie dem auch sei, wir werden einfach einen kleinen Sprint einlegen. Die Strecke dort hin sind wir ja schon mehrfach gefahren und müssen nicht mehr an jedem Elefanten halt machen. Hinzu kommt, dass wir in Zambia quer durch die Regenzeit fahren müssen. Da ist es ohnehin sinnvoller, auf der Hauptstraße zu bleiben.

Also, das Auto ist fit. Wir auch. Alles ist gepackt. Dann los.

Ein letzter Check der Papiere und Wolfgang wird bleich. Sein Namibia-Visum ist seit einer Woche abgelaufen. Wenn er bei einer Kontrolle aufgegriffen wird, landet er hinter Gittern. So, wie es mehreren Touristen vor einigen Jahren ergangen ist.

Eine Bekannte aus der deutschen Botschaft sieht drei Alternativen: dumm stellen und einfach ausreisen (vielleicht merkt es ja niemand) oder den Grenzer von selber auf das Missgeschick hinweisen und hoffen, dass er das nicht als Verbrechen sieht oder zum Windhoeker Flughafen fahren, wo Wolfgang eingereist ist, und dort versuchen, eine Verlängerung zu bekommen.

Alternative drei ist am naheliegendsten. Mit dem Auto von Anettes Tante fährt Wolfgang die 40 km raus zum Flughafen. Die Damen von der Einwanderungsbehörde sind zwar ausgesprochen nett, würden ihn auch nicht verhaften, wenn er ausreisen wollte, dürfen aber keine Visa verlängern. Wenn er jedoch Mal kurz nach Johannesburg fliegen würde, ...

Also zurück in die Stadt. Als Wolfgang auf dem Flughafenparkplatz ins Auto steigen will, fällt ihm auf, dass die vordere Stoßstange zerrissen ist. Irgend ein Idiot, vermutlich mit einem größeren Geländewagen, ist beim Ausparken mit ziemlicher Wucht seitlich in die Stoßstange gerammt. Stoßstange, Scheinwerfer und Kotflügel sind hin. Natürlich hat er keine Visitenkarte da gelassen!

Bei Wolfgang verfestigt sich der Gedanke, dass das kein guter Tag mehr werden wird.

Anstatt zu Anettes Tante fährt er gleich in die Werkstatt, in der er immer schweißen lässt. Robert, der Chef, schätzt den Schaden auf 10.000 Namibia-Dollar, rund 700 Euro.

Anettes Tante ist ganz geknickt, dass ihr fast neues Auto jetzt kaputt ist. Es hat ja noch keine 5000 km runter. Doch nachdem Wolfgang mit ihr noch mal in der Werkstatt war, geht’s ihr wieder besser, denn Robert hat versprochen, dass der Schaden spurlos zu beseitigen ist.

Bleibt noch das Visum-Problem. Alternative 2: an die Grenze fahren und Hose runter lassen. Der schnellste Weg von Windhoek nach Nairobi führt erst nach 1500 km über einen Grenzübergang. Bis dahin besteht an jeder Verkehrskontrolle das Risiko, entdeckt zu werden. Kein schönes Gefühl.

Ein letzter Besuch an unserem Container, um alles Überflüssige dort zu lassen, dann brechen wir auf.

Quasi beim Losfahren kommt der Gedanke auf, ob es nicht besser wäre, einen längeren Weg zu nehmen, der aber schon heute Abend über eine Grenze führen würde. Dann hätten wir zwar einen Grenzübergang mehr, aber könnten in den nächsten Nächten ruhiger schlafen.

Also nicht nach Norden Richtung Zambia, sondern nach Osten Richtung Botswana.

Drei Stunden später verdunkelt sich der Himmel und ein Unwetter kracht auf uns herunter. Die Sicht beträgt zeitweise nur noch 5 m. Wir schleichen mit vollem Licht in Schrittgeschwindigkeit durch eine Kleinstadt. Die anderen Autos haben angehalten. Wir können nicht erkennen, wo die Straße seitlich aufhört, deshalb ist es am sichersten, langsam in der Fahrbahnmitte weiter zu rollen. Plötzlich liegen Straßenlampen auf der Fahrbahn. Der Sturm hat die Masten einfach umgeknickt. Wir fahren im Slalom um die Masten herum und sehen zu, dass wir aus dem Ort heraus kommen.

Bei der Verkehrskontrolle am Ortsrand wagt sich freundlicherweise kein Polizist auf die Straße. Jetzt ist das ideale Wetter für Schmuggler. Und für Illegale mit abgelaufenem Visum.

Namibia will uns offensichtlich mit allen Mitteln im Lande halten. Wir hätten auch nichts dagegen und kommen ja auch gerne wieder zurück, doch jetzt wollen wir nach Ostafrika. Basta!

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die Grenze. Es ist so gut wie nichts los. Die Passbeamtin fertigt zunächst Anette ab. Vermutlich müssen am Wochenende die jungen und unerfahrenen Beamten Dienst tun. Sie wirkt jedenfalls ziemlich unsicher und schaut immer wieder ganz angestrengt auf ihren Bildschirm.

Vielleicht doch Alternative 1, einfach dumm stellen?

Kurz entschlossen versucht’s Wolfgang und sagt nichts. Sie nimmt seinen Pass, setzt ihren Stempel rein und wünscht uns eine gute Reise!

Könnte es sein, dass Namibia jetzt aufgegeben hat, uns Steine in den Weg zu legen? Oder Straßenlampen?

Die botswanische Seite ist problemlos und zwei Stunden später stehen wir am Rande eines Truckstops, essen noch eine Kleinigkeit und genießen die erste Nacht auf Achse. Ohne Knast-Alpträume und ganz legal.

Sonntag, 26.1.14 (Tsootsha, Botswana):  6:30 Uhr sind wir draußen, fahren ein paar Kilometer weiter auf einen Rastplatz im Sonnenschein und frühstücken. Auch wenn es sich noch nicht so anfühlt: Urlaub hat begonnen.

Wir haben bis Nairobi noch zehn Tage Zeit und sind noch rund 4500 km entfernt. Dazwischen liegen drei Grenzen, davon zwei höchst unangenehme. Wenn wir also 500 km am Tag schaffen, dann sollte es klappen. Das wäre wie München-Berlin. Mit einem flotten Auto kein Problem. Letzteres haben wir nicht, Autobahnen auch nicht, trotzdem sollte das machbar sein.

Mittags sind wir in Maun, der Touristenhauptstadt Botswanas am Okavango-Delta, und vermutlich die einzigen Touristen, die ohne anzuhalten durchrauschen. Aus anderen Fahrzeugen winken uns Leute ganz heftig zu, sie haben wohl unser Nummernschild erkannt. Das dürfte in den nächsten Wochen deutlich seltener passieren, denn gemessen an der Touristendichte in Namibia sind die Länder, durch die wir kommen werden, quasi touristenfrei.

Das Tages-Soll ist im übrigen schon fast geschafft.

Bei Sonnenuntergang rollen wir in eine neue Lodge und freuen uns auf den ersten richtigen Sundowner, den obligaten Drink mit Blick auf die untergehende Sonne.

Es stehen mehr als 700 km auf dem Tacho!

Montag, 27.1.14 (Pelican Lodge, Nata, Botswana):  Wieder früh raus. Das wird noch ein paar Tage so sein müssen.

Mittags stehen wir an der Fähre, die uns über den Zambezi nach Zambia bringt. Die Schlange der wartenden Lkws ist lang, doch wir dürfen dran vorbei und kommen gleich mit dem nächsten Schiff mit.

Vorher haben wir alle verfügbaren Tanks mit Sprit gefüllt. Zambia ist notorisch teuer, Botswana eher billig. Bis jetzt liegt unser Verbrauch im Durchschnitt bei knapp unter 10 Litern. Mit 160 Litern im Bauch sollten wir bis nach Tanzania kommen.

Drüben erwartet uns ein ganze Horde von Schleppern. “Mister, change money?” “Cheap insurance!” Sie sind wie Kletten.

Die zambische Bürokratie tut alles, damit die Schlepper ein leichtes Leben haben. Man muss zu den einzelnen Stationen kreuz und quer durch die Grenzanlagen laufen und fünf Mal Beamtenmikado spielen (in der Schlange stehen und warten, bis sich der Beamte bewegt). Und wenn sich ein Beamter bewegt, kostet es normalerweise Geld.

Den Anfang macht immer das Häuschen mit der Fahne davor, da sitzt der Einwanderungsbeamte, ersatzweise die Beamtin. Zwei Visastempel bringen 100 US$ Beute fürs Staatssäckel! Zahlbar nur in US Dollar. Dann zum Zöllner. Der macht zwei Stempel in die Importlizenz fürs Auto. Kostenlos! Hier hat der Finanzminister tatsächlich eine Geldquelle übersehen. Danach in die kleine schmutzige Hütte des Gemeindesteuereintreibers. Der will für einen kleinen bunten Zettel, dessen Sinn uns niemand erklären kann, 20 Kwacha, macht 3 Euro. Doch er nimmt nur Kwacha. Jetzt kommt die Chance für die Schlepper und Geldwechsler. Eine ganze Traube bildet sich, da gerade keine anderen Kunden da sind. Und Wolfgang wird ganz konfus von den vielen Zahlen, die sie ihm um die Ohren hauen. Kwacha, Dollar, Rand, Euro, Pula, da kann man schnell die Orientierung verlieren. Zu allem Übel gibt es alte und neue Kwacha, die sich um den Faktor 1000 unterscheiden. Man muss also auf jedem Schein nachschauen, wann er gedruckt wurde.

Die vierte Hürde heißt Carbon-Tax. Der Name soll weismachen, dass sie eine Ausgleichszahlung für die Luftverschmutzung durch unser Auto ist. Wenn Luftverschmutzung tatsächlich ein Thema im Lande wäre, würde ein schlichter Abgastest die Hälfte der Autos aus dem Verkehr ziehen. Nicht, weil zu viel Ruß im Abgas ist, sondern weil zu wenig Abgas im Ruß ist. Vor allem die Laster blasen zuweilen gigantische schwarze Wolken in die Luft, durch die man den Gegenverkehr nicht mehr sehen kann. Doch egal, wie man die Steuer auch nennt, die Politiker brauchen Geld.

Zunächst wollen sie 95 US$ haben, weil in ihrer Liste nur irgend ein Volkswagen Lkw stand, doch nach einem Blick aus dem Fenster waren sie einsichtig. Also werden wir nach Hubraum besteuert, was für unser kleines Motörchen 15 Euro bedeutet.

Dann noch die Haftpflichtversicherung. Einer der Schlepper bietet einen “best price in town” an. 260 Kwacha für einen Monat, 40 Euro. In einer Holzbude am Straßenrand sind es nur noch 160. In einer Seitengasse, die eher ein Abwassergraben ist, kostet es dann nur noch 116 Kwacha, also 15 Euro.

So allmählich löst sich die Schleppertraube auf, denn an uns ist nichts mehr zu verdienen.

Wenn sich jetzt noch der Schlagbaumbeamte erhebt, haben wir’s geschafft. Nach eineinhalb Stunden.

Ein paar Kilometer wollen wir noch fahren. Die Straße ist neu und supergut. Vor ein paar Jahren sind wir hier noch stundenlang im Schneckentempo über eine matschige Baupiste geschlittert.

In einer Kleinstadt geht es nicht mehr weiter. Ein paar hundert Meter vor uns quält sich ein Schwertransport durch den Ort. Die Straße ist komplett gesperrt. Gerade noch rechtzeitig bemerken wir, dass einheimische Taxifahrer in einen kleinen Seitenweg abbiegen. Wir hinterher. Wir holpern und rumpeln durch die Schlaglöcher und sind ein paar Kilometer später wieder auf der richtigen Straße. Taxifahrer und Navi sei Dank.

Außerdem behauptet Navi-Susi, dass es in Choma eine Safari Lodge gäbe, wo wir übernachten könnten.

Recht hat sie!

Fast 600 km, trotz der Grenze. Es läuft gut.

Dienstag, 28.1.14 (Gwembe Safari Lodge, Choma, Zambia):  Anette hat, seit wir Namibia verlassen haben, Schwierigkeiten mit ihren Augen. Die Sehschärfe wird immer schlechter und wir tappen bei der Ursache völlig im Dunkeln.

Navi-Susi weiß, dass es in Lusaka eine Augenklinik gibt. Vielleicht finden die ja etwas heraus. Mittags sollten wir dort sein.db_13-01431db_13-0144

Die Zufahrt sieht nicht gerade verheißungsvoll aus. Um so mehr sind wir überrascht, dass wir innerhalb der Mauern eine recht gepflegte kleine Klinik finden. Mit einer Statue der Christoffel Blindenmission.

So schlecht sind Anettes Augen nun auch wieder nicht.

Nachdem die Formulare ausgefüllt sind und wir eine angemessenen Zeit gewartet haben, dürfen wir ins Arztzimmer. Dort stehen Geräte, wie wir sie auch bei uns kennen, und das Ganze macht einen recht ordentlichen Eindruck. Der Arzt hat in Zaire studiert und hatte auch mal etwas mit einem Lions-Club aus Deutschland zu tun.

Wir können nicht beurteilen, wie gut er sich mit den Augen auskennt, doch er hat zumindest Erfahrung im Umgang mit den Untersuchungsgeräten.

Seine Vermutung: eine Infektion im Auge. Neben einem Antibiotikum aus der klinikeigenen Apotheke gibt es die offensichtlich bei jedem Augenarztbesuch zwangsläufigen Augentropfen.

Im Feierabendverkehr schieben wir uns auf der Cairo Road durch Lusaka. Die heißt so, weil sie genau dort hin führt. Ganz so weit wollen wir zwar nicht, aber ein paar hundert Kilometer näher wären ganz schön.

Es wird dunkel und fängt zu regnen an. Wir hängen uns, wann immer wir können, hinter einen Laster, der uns vor den Fernlichtern der Entgegenkommenden ein wenig schützt und außerdem die Fahrbahn frei räumt.

Schließlich biegen wir von der Straße ab, die die Hauptstadt mit dem Kupfergürtel, dem industriellen Herz Zambias verbindet. Ab jetzt ist der Verkehr deutlich dünner und das Spiel läuft jetzt umgekehrt. Kleinere Fahrzeuge hängen sich jetzt an uns dran.

Aber nicht lange, dann haben wir unser Ziel erreicht. Es ist schon kurz vor 21 Uhr und wir sind echt geschafft. Bei Nacht im Regen zu fahren, ist wirklich unangenehm.

Wolfgang setzt sich raus in den Nieselregen, streckt alle Viere von sich und genießt ein eiskaltes Radler (jau, unser Kühlschrank hat sich gut benommen). Er hatte ja auch 500 km Zeit.

Mittwoch, 29.1.14 (Forest Inn, Mkushi, Zambia):  Heute haben wir weder eine Grenze noch eine Klinik geplant (hier gibt es vermutlich auch keine mehr), also sollten es entsprechend viele Kilometer werden.

Kurz nach der Abfahrt ist Bergfest. Ab jetzt haben wir mehr Kilometer geschafft als wir noch fahren müssen.

Es geht recht flott vorwärts und als es dunkel wird und wir auf das Camp rollen, sind wir 3000 km von Windhoek entfernt.

Wir hatten bis jetzt für zambische Verhältnisse wenige Verkehrskontrollen. Nur gut 20, also alle 70 km eine. Da waren sie früher fleißiger. Probleme gab’s keine, hin und wieder ein Muffkopf, doch die meisten waren nett und freundlich. Ein junger Polizist strahlt uns an und sagt nur “imd’miringyoucaa” Nach einigem Nachfragen wird daraus “Ich bewundere Euer Auto”. Oooh, danke. “Savdjorney”.

Als wir den Motor aus machen, fehlt noch ein Kilometer an 700. Und, was das Wichtigste ist, wir sind durch die Regenzeit durch. Heute ist’s noch mal kräftig aus dem Himmel gelaufen, ab jetzt ist da ein Stöpsel drinnen. Hoffentlich.

Donnerstag, 30.1.14 (Kings Highway, Mkasi, Zambia):  Noch eine Stunde bis zur zambisch-tanzanischen Grenze. Die haben wir immer als die schlimmste empfunden. Vor einigen Jahren mussten wir sogar zwischen den Ländern übernachten, weil der Mann mit dem wichtigen Stempel für die Zollpapiere einfach früher Feierabend gemacht hatte.

Das gleiche Spiel wie an der letzten Grenze. Mit den Schleppern im Schlepptau flieht Wolfgang in das Häuschen mit der Fahne. Da dürfen sie nämlich nicht rein. Doch sie warten vor der Tür, irgend wann muss er ja wieder rauskommen.

100 US$ für zwei Visa, 25 US$ mit nicht näher bekannter Begründung (aber mit hochamtlicher Quittung mit schillerndem Hologramm), 100 US$ für die Haftpflichtversicherung. Letzteres klingt nach viel, relativiert sich aber, weil es für drei Monate und in allen Ländern Ostafrikas gültig ist.

Nach zwei Stunden haben wir es geschafft.

Der nächste Geldautomat ist unserer (ja, das funktioniert in allen Ländern ziemlich problemlos), die nächste Tankstelle ebenfalls. Und ab geht’s.

Leider müssen wir wieder in die Dunkelheit hereinfahren, weil es unterwegs kein Camp gibt. Das macht dieses Mal besonders wenig Spaß, weil unzählige Holzlaster und Tanker unterwegs sind. Die Fahrer veranstalten mit ihren schwer beladenen Sattelschleppern regelrechte Rennen und haben kein Problem damit, die Gegenfahrbahn für sich zu beanspruchen. Der kleinere, also wir, muss halt von der Fahrbahn runter. Einmal, als wir wegen einer hohen Kante nicht ausweichen konnten, ist es sogar soweit gegangen, dass wir einfach auf unserer Fahrbahn stehen geblieben sind und der entgegenkommende Lkw uns wie bei einem Zweikampf gegenüber stand. Jeder schaute den anderen an, doch wir haben uns einfach nicht mehr gerührt. Zähneknirschend musste er alle, die er eben überholt hatte, wieder vorbeiziehen lassen, die haben ihn einfach nicht mehr reingelassen. Dann hatten wir wieder freie Bahn.

450 Kilometer. Mit Grenze, das ist nicht schlecht.

Freitag, 31.1.14 (Kisolanza Farm, Ifunda, Tanzania):  Die Straße ist neu gebaut und wunderbar eben. Doch weil man auf guten Straßen auch richtig rasen kann, haben die Straßenbauer die Bumps erfunden, Bodenwellen aus Asphalt oder Beton, über die man am besten seeeehr langsam fährt. Im Endeffekt kommt man deshalb auf der nagelneuen Straße auch nicht schneller ans Ziel als auf der alten Schlaglochstrecke.

Auf der Farm, auf der wir übernachtet haben, wurden wir gewarnt, dass die Polizei in fast jedem Ort Geschwindigkeitskontrollen macht. Vermutlich muss mit den Strafen das Geld für die neue Straße wieder reingeholt werden.

Und tatsächlich hält uns eine weiß uniformierte Polizistin an. Sie zeigt uns triumphierend eine Art Handy, auf dem groß “69” steht. Sie meint, wir wären 69 Stundenkilometer gefahren, wo 50 erlaubt sind. Tatsächlich waren es am Ortsschild nach unserem Tacho 55. Als wir ihr sehr bestimmt klar machen, dass wir genau 50,0 gefahren sind, weil wir ja wussten, dass sie hier steht, und sie uns ganz einfach zu früh gemessen hat, wirkt sie gar nicht mehr so triumphierend. Nach ein bisschen Palaver und der Vorführung, dass ihr Messgerät auch wirklich funktioniert, akzeptiert sie unsere Erklärung und wünscht uns eine gute Fahrt.

Erst dachten wir, die Polizei würde sich gezielt Touristen herauspicken, doch wir haben ja seit Tagen keinen anderen Touristen gesehen. Gegen die Touristenjagd spricht auch, dass die Dame nicht einmal ansatzweise versucht hat, Geld zu kassieren. Nein, es war wohl eine ganz normale Fehlmessung und keine Falle, zumal auch die anderen Verkehrskontrollen immer korrekt waren.

Tanzania ist ohnehin das Land der Verkehrskontrollen. Ein Polizist gab uns mal als Begründung “Du siehst ja, wie meine Landsleute Auto fahren!” Recht hat er, besonders wenn wir an die letzte Nachtfahrt denken.

Die Straße führt immer wieder mal über die 2000m-Marke und es bleibt ziemlich bergig. Bergauf quälen wir uns ein wenig, doch die Abfahrten auf der neuen Straße sollten mehr Spaß machen. Wären da nicht die Bumps ...

Obwohl wir den ganzen Tag gefahren sind, stehen am Abend nur 600 Kilometer auf dem Tacho. Bergauf-bergab sind wir nicht gerade schnell.

Das Segera-Hotel macht nicht den Eindruck, das man da übernachten könnte. Ein großer staubiger Parkplatz und haufenweise Lkws. Eher ein Truckstop. Wir beschließen, uns für die Nacht irgendwo neben die Lkws zu stellen.

Auf der Suche nach einer geeigneten Ecke spricht uns ein Nachtwächter an, ob wir nicht auf die Campsite fahren wollten. Und tatsächlich ist hinterm Haus so eine Art Camp. Wir bekommen den Schlüssel von einem Chalet, dessen Dusche und Toilette wir benutzen dürfen. Das Hotel hat wohl schon bessere Zeiten gesehen, doch für eine Nacht ist es ok. Und ruhiger als neben den Lastern.

Samstag, 1.2.14 (Segera Hotel, Segera, Tanzania):  Auf dem Weg zur kenianischen Grenze plündern wir in Tanga noch einen Geldautomaten, damit wir bei der nächsten Wiedereinreise mit den Mädels flüssig sind.

Dann zur Grenze. Die Schlepper sind ungewöhnlich dezent. Es reicht, wenn man ihnen erklärt, dass man weder Bargeld noch Versicherung braucht und dass man bereits hundert Mal über diese Grenze gefahren ist. Da haben wir an anderen Grenzen schon sehr viel mehr Engagement erlebt.

100 US$ für zwei Visa, 20 US$ Straßenbenutzungsgebühr, halt das Übliche. Schon nach einer Stunde sind wir durch.

Auffällig an dieser Grenze war, dass jeder Beamte ein Gewehr bei sich trug. Besonders bei der jungen Dame vom Zoll wirkte die Waffe quer auf dem Schreibtisch ein wenig befremdlich. Vermutlich ist dies alles eine Konsequenz der islamistischen Überfälle in Kenia.

Die weitere Strecke ist eher unspektakulär. Immer entlang der Küste des Indischen Ozeans, von dem man aber nichts sieht. Dafür sieht man etwas anderes entlang der Straße in Hülle und Fülle, je näher man an Mombasa herankommt: Müll. Wir scheinen wohl durch den Hintereingang der Stadt zu kommen.

Leider gibt es zwischen uns und der Stadt noch einen Meeresarm, den man nur mit einer Fähre überqueren kann. Und alle, die südlich der Likoni-Fähre wohnen, wollen genau jetzt zum Shoppen nach Mombasa. Wir stehen geschlagene eineinhalb Stunden in einer Schlange, die sich nur meterweise bewegt. Der Grund für den Stau bleibt im Dunkeln, denn das Schiff ist nicht voll. Wahrscheinlich hat wieder einmal ein Polizist versucht, den Verkehr zu regeln. Vielleicht sollte man besser die Verkehrspolizisten anstatt die Zöllner mit Waffen ausrüsten, damit die Autofahrer wenigstens ein bisschen Respekt haben.

Die Durchfahrt durch die Innenstadt ist wie immer chaotisch. Doch wir haben eine sehr laute Fanfare, die lässt unsere Gegner kurz zusammenzucken. Und wer zuckt, hat verloren.

Die Sonne geht gerade unter, als wir vor dem Tor des Edelweiss’ stehen. Die Überraschung für Hedi und Ulli ist uns gelungen, denn wir hatten uns noch nicht bei ihnen gemeldet, weil wir ja nicht wussten, ob auf der Fahrt alles klappt.

Weil es so gut geklappt hat, haben wir uns zwei Tage Pause verdient. Wir werden morgens ausgiebig frühstücken, nachmittags bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse sitzen und abends wird Hedi etwas Leckeres kochen.

Sonntag, 2. bis Montag, 3.2.14 (Edelweiss, Kikambala, Kenya):  ... und genau das tun wir. Naja, und ein bisschen Service fürs Auto, ein bisschen Wäsche waschen und ein bisschen Aufräumen.

Und das schöne Wetter genießen. Es ist morgens an die 25° und nachmittags 33°.

Dienstag, 4.2.14 (Edelweiss, Kikambala, Kenya):  Wir kommen zu spät los: Wir müssen heute noch 500 km weit ins Hochland. Zur Zeit sind wir auf 0 m, heute Abend werden es fast 2000 sein, wobei die Höhenmeter kein Problem sind, sondern die Tausende von großen Lkws, die dasselbe wie wir vorhaben. Mombasa-Nairobi ist die Lebensader für ganz Ostafrika.

Bergab überholen uns regelmäßig 50 Tonnen Benzin oder Fischkonserven, bergauf ist’s umgekehrt. Anette als Späher in der Fahrbahnmitte hat heute reichlich zu tun, trotz ihrer angeschlagenen Augen, denn sie muss entscheiden, ob wir zum Überholen ‘raus können oder nicht.

Der Preis für diese Fahrerei ist unmittelbar auf der Tankuhr abzulesen. Bisher haben wir um die 9,5 Liter verbraucht, jetzt sind es über 12.

Lange nach Sonnenuntergang treffen wir auf dem Upper Hill Camp in Nairobi ein.

Wir haben’s geschafft!

Seit unserer Abfahrt in Windhoek sind wir an 9 Tage insgesamt 80 Stunden gefahren, es stehen jetzt 4800 km mehr auf dem Tacho, wir haben an die 450 Liter Benzin verfeuert, wir wurden über 50 Mal kontrolliert (na ja, wirkliche Kontrollen waren es ja nicht, nur ein bisschen Geplauder) und an den Grenzen haben wir fast 500 Euro “Budgethilfe” gespendet.

Doch das beste: wir hatten nicht mal eine klitzekleine Panne. Kein platter Reifen und keine Schraube locker. Auch Wolfgangs Zähne sind noch alle vorhanden.