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Sonntag, 1.12.24 (Bonn-Kairo): Es geht los, jedenfalls für einen von uns.
Wir waren auf einer Hochzeit in Bonn und da bietet es sich an, wenn man schon in der Nähe von Frankfurt ist, von dort nach Südafrika zu fliegen. Eine andere interessante Option wäre gewesen, den TGV von Bonn nach Paris zu nehmen und von dort mit Air France über Kenia nach Johannesburg zu kommen. Leider zickt Air France immer mit dem Gepäck herum und auch der TGV hätte extrem lange gebraucht, wegen langer Wartezeiten in Brüssel. Also wird es wieder Egypt Air, mit normalem Gepäck und Zwischenlandung in Kairo.
Montag, 2.12.24 (Kairo-Pretoria): Alles wie es sein soll. Pünktliche Landung, problemlose Einreise, kurze Zugfahrt und am späten Vormittag ist Wolfgang in Riverwood. Zu Hause angekommen. Und Anette desgleichen in München. Sie wird dort Weihnachten genießen, Wolfgang die Arbeit am Bus und vor allem auf der Farm.
Dienstag, 3.12.24 bis Dienstag, den 7.1.25 (Riverwood): Es ist viel zu tun. Etliche Kleinigkeiten am Bus und eine Großigkeit. Die Wagenheberaufnahme am linken Vorderrad ist zerstört, doch zum Austausch muss vorher ein Teil des Querträgers heraus operiert werden. Und das heißt, mehrere Tage lang unterm Bus herum kriechen, bis alles so weit raus ist, dass das neue Teil eingeschweißt werden kann.
Auch der Elektrozaun um die Farm braucht Beistand. Viel Beistand. An mehreren Stellen muss er gegen Untergraben gesichert werden, das neue Haupttor hat viele Kinderkrankheiten und auf fast 200m sind die Drähte marode. Mehrere Kilometer Draht sind neu zu ziehen. Aber mit fünf Leuten und jeder Menge Improvisation kriegen wir das hin. Doch es dauert Wochen, ehe alles wieder sicher ist.
Mittwoch, 8.1.25 (München-Riverwood): Anette landet, aus Addis Abeba kommend, in Johannesburg. Ab jetzt können wir planen, wann wir uns Richtung Botswana und Zambia auf den Weg machen.
Donnerstag, 9.1. bis Montag, 20.1.25 (Riverwood): Irgendwann ist auch die furchtbare Reparatur der Wagenheberaufnahme fertig. Drei Kreuze. Dann noch tausend Kleinigkeiten erledigen, einkaufen, packen, zum Abschluss nochmal vernünftig Essen gehen.
Leider hält der Tag noch eine böse Überraschung bereit. Eher zufällig erfahren wir, dass der kleine Grenzübergang, den wir nach Botswana nehmen wollten, unpassierbar ist. Für Wochen. Komplett unter Wasser und zum Teil zerstört. Wat nu? Entweder wir machen einen großen Umweg und bleiben auf den Hauptstraßen oder wir nehmen einen klitzekleinen trockenen Grenzübergang, der allerdings nur über viele Kilometer sandige Piste erreichbar ist. Das klingt irgendwie interessanter als Autobahn.
Dienstag, 21.1.25 (Pretoria-Palapye) Kurz vor Mittag kommen wir aus Pretoria raus und sind am Nachmittag schon in Grenznähe. Der Sand fährt sich recht angenehm und es ist außer uns scheinbar niemand unterwegs. Die Grenzabfertigung ist schnell und persönlich. Die Wahl war richtig.
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir in Palapye auf dem Güterbahnhof. Es sieht nicht wirklich einladend aus, aber unser Navi ist überzeugt davon, dass ein paar Erdstraßen weiter ein schönes Camp ist. Es hat Recht. Das Camp ist gähnend leer, muss vor einigen Tagen tief verschlammt gewesen sein und hat sogar ein Restaurant. Perfekt!
Der Tag war gut.
Mittwoch, 22.1.25 (Palapye-Elephant Sands) Heute sind es nur 400 km, da müssen wir nicht in aller Frühe los. Es wird wahrscheinlich eher langweilig, schlichtweg Kilometer machen. Wir haben ja auch nur ein Drei-Tage-Transitvisum.
Und so wird es. Ein bisschen Verkehrsstau in Francistown. Tanken. Und weiter.
In der Abenddämmerung landen wir im Elefant Sands Camp. Einer großen Anlage, um einen Tümpel herum gebaut, gutes Restaurant, keine Elefanten. Normalerweise wären sie hier, aber jetzt gerade sind sie woanders.
Hier müssen wir zur richtigen Jahreszeit noch mal herkommen.
Donnerstag, 23.1.25 (Elephant Sands-Livingstone) Heute sind es nur gut 200 km, dann kommt die Grenze von Botswana nach Zambia.
Jetzt wissen wir auch, wo die Elefanten aus dem Camp geblieben sind. Sie stehen friedlich neben der Straße. Oder mitten drauf.
Da wir die Fenster offen haben, weht uns plötzlich eine Wolke bestialischen Gestanks ins Auto. Auf den Bäumen um uns herum sitzen hunderte von Geiern und warten, dass wir weiterfahren. Neben uns liegen die faulenden Reste eines halb aufgefressenen Elefanten. Vermutlich von einem Lkw erwischt.
Oberübel für uns, extrem lecker für die Geier.
Der Grenzübergang war in der Vergangenheit eher zeitaufwendig. Abfertigung in Botswana, warten auf die Zambezifähre, übersetzen und herumsuchen in der Budenstadt auf der Zambiaseite, um Geldwechsler, Versicherung und Behörden zu finden.
Das ist Vergangenheit.
Die Fähre ist passé. Über eine neue elegante Brücke kommt man über den Zambezi und dort wartet der neue One-Stop-Grenzposten, wie uns die Beamten stolz erklären. Botswana und Zambia gemeinsam. Ein großer Raum mit vielen Schaltern, einmal in Kreis marschieren und alles ist erledigt. So der Plan.
Auf der Botswana-Seite klappt das auch ruckzuck. Auf der Zambia-Seite ist man noch in der Testphase. Das Rechnersystem wird immer wieder neu gestartet, der Beamte gibt unsere Daten ein, dann der Absturz und der Zyklus beginnt von Neuem. Nach dem dritten Mal dreht er seinen Bildschirm zu Wolfgang und bittet ihn, die Daten selber einzugeben. Das geht schneller. Und der nächste Absturz kommt auch schneller.
Nach gut einer Stunde sind wir schließlich durch. Nicht wie geplant bargeldlos und elektronisch, sondern mit Cash-Dollar und von Hand. Doch sollte das System erst einmal funktionieren, dann ist es vermutlich die modernste Grenze Afrikas.
Am späten Nachmittag landen wir in Livingstone. Noch kurz einkaufen und ab aufs Camp in der Waterfront-Lodge.
Es ist ziemlich leer und wir finden ein lauschiges Plätzchen unter einem Baum. Aber unter aufmerksamer Beobachtung und nicht lauschig genug, um selber zu kochen,
Während wir das Restaurant genießen und den mittlerweile heftigen Regen aussitzen, sind andere dabei, unseren Bus zu genießen. Zu Tausenden, doch wir wissen noch nichts davon. Baumameisen kommen in langen Kolonnen übers Dach und verkriechen sich im Bus. Da ist es trocken. Illegale Migration in großem Stil.
Freitag, 24.1.25 (Livingstone) Am Morgen fallen wir aus allen Wolken. Die Ameisen sind wirklich üü-berr-all. An Frühstück ist nicht zu denken.
Wir wissen noch nicht, wie wir mit den Eindringlingen umgehen sollen. Wie die Politik in Deutschland? Die perfekten Schuldigen für alles? Oder ignorieren? Integrieren? Abschieben?
Als erstes versperren wir ihnen zusammen mit einem Angestellten der Lodge die Nachschubwege. Wir hacken konsequent jeden Ast ab, der den Bus berührt. Damit ist zwar der Rückweg ausgeschlossen, aber der Nachschub auch.
Und nun? Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass sie sich dauerhaft einnisten, denn sonst hätten sie freie Bahn, wenn der Bus im Container steht. Vergiften scheidet aus, weil sie wirklich überall sind und wir ja im Bus schlafen wollen.
Bleibt also nur die Brutalmethode. Wir zwei gegen sie. Wir hatten das Vergnügen ja schon mehrfach und stellen uns deshalb auf einen mehrwöchigen Abnutzungskrieg ein. Alle paar Stunden suchen wir den Bus penibel nach schwarzen Strichen auf gelbem Grund ab. Jeden Tag fallen uns viele hundert zum Opfer, auch mal mehr als tausend.
Um es vorwegzunehmen: auch nach zwei Wochen treffen wir immer wieder mal auf versprengte Grüppchen, doch sie sind soweit dezimiert, dass wir hoffen, gewonnen zu haben.
Samstag, 25.1.25 (Livingstone) Nach dem obligaten Morgengemetzel zieht es uns zu den Victoria-Fällen. Da waren wir zwar schon oft, aber die sind immer einen Besuch wert.
Diesmal ist auch deutlich mehr Wasser unterwegs als beim letzten Mal, aber er ist noch lange nicht voll. Wir werden ordentlich nass, was bei knapp 30° nicht unangenehm ist.
Es gibt einen Trampelpfad, der runter an den Unterlauf der Fälle führt. Er ist für Anettes Knie und Hüfte nicht so einfach machbar, also muss Wolfgang allein runterklettern, während Anette in einem Café bleibt.
Es ist steil, zuweilen glitschig und es ist richtig viel los. Nicht nur Zweibeiner. Einmal kommt Wolfgang ein Trupp Paviane mit Kindern entgegen. Jeder bleibt brav auf seiner Seite des Weges. Es fehlt nur noch, dass sie gegrüßt hätten. Sie sind hier zu Hause und tolerieren uns als Gäste.
Unten angekommen steht man vor dem tobenden Auslass der Victoria-Fälle. Alles, was an den zwei Kilometer breiten Fällen über die Kante kommt, muss durch diese Engstelle hindurch. Das brodelnde Wasser heißt deshalb auch Boiling Pot. Hier kommt keiner lebend raus.
Keiner? Am Ufer macht sich ein mutiger Kanufahrer fertig und stürzt sich doch tatsächlich in die Fluten! Offensichtlich nicht zum ersten Mal, denn er weiß genau, was er tun muss.
Man sieht ihn nur hin und wieder aus den Wellen auftauchen, die Strömung macht scheinbar mit ihm, was sie will. Aber am Ende landet er immer in einer ruhigen Bucht, aus der das Wasser zurück zu seiner Einstiegsstelle strömt. Der perfekte Kreislauf, wenn man dieses Abenteuer mag.
Irgendwann spült es ihn auf die falsche Seite der Strömung und er verschwindet stromabwärts unter der berühmten und schon über 100 Jahre alten Brücke hindurch.
Auf dem Rückweg von den Fällen liegt neben den Schienen eine umgestürzte Dampflokomotive. Einfach aus dem Gleis gekippt und liegen gelassen. Eigentlich ein Leckerbissen für jedes Museum, doch hier hat man nur einen Wächter neben das Wrack gesetzt. Vermutlich hat er eine Lebensstelle.
Zurück in Livingstone fahren wir auf einen großen Parkplatz, um Bargeld aus einem Automaten zu ziehen. Vor einigen Jahren war das noch sehr viel persönlicher. Da kamen die fliegenden Geldwechsler ans Auto und offerierten uns einen Deal. Einer bot uns den angeblich größten jemals gedruckten Geldschein für ein paar US Dollar an. “One hundred trillion Dollars”! Damals noch gültiges Zahlungsmittel im Nachbarland Zimbabwe. Auf deutsch sind es leider nur 100 Billionen Dollar, doch auch damit sind wir reicher als die Kleptokraten um Trump. Naja, waren reicher, denn leider hat Zimbabwe gleich darauf seine eigene Währung komplett abgeschafft.
Sonntag, 26.1.25 (Livingstone-Kafue Nationalpark) Vor 30 Jahren, als wir zum ersten Mal in Zambia waren, sind wir von Livingstone aus durch einen kleinen Hintereingang in den Kafue-Nationalpark gefahren. Damals war das ziemlich einsam und beschwerlich. Müsste es heute nicht einfacher sein? Versuch macht kluch.
Am Mittag biegen wir von der Nationalstraße ab. Es geht für die nächsten 80 km durch kleine Dörfer und über Feldwege. Das ist auch nicht anders als vor 30 Jahren. Außer uns scheint niemand unterwegs zu sein. Wir hatten angenommen, dass der Hintereingang, weil er viel schneller zu erreichen ist, an Bedeutung gewonnen hätte. Offensichtlich nicht.
Nach drei Stunden sind wir endlich durch. Vor uns liegt ein offizieller Eingang mit Flagge und uniformierten Rangern. Damals war hier noch gar nichts, außer einem kleinen Hinweisschild. Also doch ein ordentlicher Fortschritt.
Der freundliche Ranger erklärt uns, dass von hier aus eine gute Piste durch den Nationalpark führt. Doch leider fehlen aktuell zwei zehn Meter lange Abschnitte. Der Regen der letzten Tage hat zwei Brücken weggerissen. Jetzt ist der Park in zwei Teile geteilt. Um in den attraktiveren Norden zu kommen, müssen wir leider außen herum fahren, da gäbe es Brücken. Mmmmh, knapp 800 Kilometer!
Freude sieht anders aus. Aber was soll’s? Hier warten auf die Brückenreparatur ist keine Option, denn die Regenzeit ist noch lange nicht zu Ende. Also her mit dem sauren Apfel.
In zwei Stunden wird es dunkel, wir werden also schauen müssen, dass wir ein geeignetes Schlafplätzchen neben der Piste finden.
Finden wir. An einer Stelle haben sie massiv Erdreich abgebaggert, um daraus den Pistendamm zu bauen. Ein bisschen versteckt, eben, von der Piste aus uneinsehbar und ganz sicher ruhig.
Montag, 27.1.25 (Kafue Nationalpark-Monze) Nach einem sehr gemütlichen Frühstück, rumpeln wir wieder über die Piste. Im letzten Dorf stehen etliche Leute am Wegesrand und winken, als wären wir alte Bekannte. Alt stimmt ja auch.
Zurück auf Asphalt dauert es drei Stunden, dann sind wir auf der Moorings-Farm. Ein an sich sehr schönes Camp, wo wir immer gern waren, aber dieses Mal haben sie das falsche Wetter geordert. Es regnet ein bisschen, es ist matschig und es gibt kein Wasser und keinen Strom. Auch das eine Folge der kürzlichen heftigen Regenfälle.
Die Leute vom Camp geben sich zwar alle Mühe, aber was nicht geht, geht nicht.
Dienstag, 28.1.25 (Moorings Farm) Das Wetter bleibt trübe und wir legen einen Putz- und Flicktag ein. Am Abend gibt es sogar eine warme Dusche.
Mittwoch, 29.1.25 (Monze-Lusaka) Die Camp-Chefin hat uns von einem wunderbaren Café auf unserem Weg nach Lusaka erzählt. Da würde jeder Reisende Halt machen.
Wir auch. Zum Mittag sind wir da und genießen einen blühenden Garten und ein leckeres Essen. Es wird eine lange Mittagspause.
Gut 100 km später wartet Lusaka, die Hauptstadt. Auf dem Eureka-Camp waren wir früher ziemlich oft, aber seit vielen Jahren nicht mehr.
Auch früher streunten hier Zebras und Antilopen übers Camp. Aber in den vergangenen Jahren hat man hier ordentlich investiert. Ein schönes Restaurant, eine nette Bar, viele Hütten und Häuschen und sehr viel Platz für Camper.
Zu jedem Platz gehört ein großer Unterstand, so dass es auch bei Regen Spaß macht. Leider ist der Boden ziemlich weich, so dass unser Bus eine tiefe Rille in den Rasen fräst, aus der wir so gerade eben wieder herauskommen.
Donnerstag, 30.1. bis Freitag, 31.1.25 (Eureka Camp) Waschtage. Mit sehr nettem Besuch. Zebras,  Giraffen und Affen. Letzteren zollen wir allerdings reichlich Tribut. Sie sind extrem aufmerksam, schnell und geschickt. Und da wir die einzigen Gäste sind, haben wir ihre volle Aufmerksamkeit und spenden Brot und Kartoffeln. Unfreiwillig.
Abends ist Barbesuch angesagt. Viel ist nicht los, eigentlich gar nichts. Wir plaudern mit dem Barmann und kommen mit dem einzigen weiteren Gast, einem mittelalten Zambier, ins Gespräch. Wir merken bald, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und es wird eine angeregte Unterhaltung, über Gott und die Welt, über Lebensträume, das In-der-Welt-Herumreisen und natürlich über Politik. Er kennt sich wirklich gut aus, auch mit Europa und Oldtimern. Er fährt selber ein altes amerikanisches Cabrio. Den Fotos auf seinem Handy nach zu urteilen, gehört er zur Haute Volée Zambias. Auch seine Frau scheint in der Öffentlichkeit bekannt zu sein.
Er selber erzählt nicht viel über seine Rolle, aber als er mal zur Toilette muss, steckt uns der Barmann, dass er beim letzten Präsidenten das Präsidialamt geleitet hat und auch Minister war. Es könne durchaus sein, dass er bei der nächsten Präsidentenwahl antritt, er hätte wohl Chancen.
Für einen Politiker hat er schrecklich normale und vernünftige Ansichten, er kennt die Welt und hat eine positive Lebenseinstellung. Könnten wir in Deutschland wohl auch gebrauchen.
Wir werden die Augen offenhalten, ob er in Zukunft eine öffentliche Rolle spielt.
Samstag, 1.2.25 (Lusaka-Ithezi Thezi) Heute wird es ein längerer Ritt. Erst müssen wir aus Lusaka raus, dann ein paar hundert Kilometer auf einer Landstraße und schließlich über kleine Sträßchen in den Kafue Nationalpark.
Die Stadt zieht sich und zieht sich. Doch irgendwann haben wir es geschafft und können den Bus laufen lassen.
Die kleine Straße zum Park ist mittlerweile zur veritablen Asphaltstraße ausgebaut. Die Dörfchen rechts und links erinnern uns daran, dass wir noch Lebensmittel brauchen. Im Nationalpark wird es nicht viel geben.
Hier scheinen nicht viele Touristen durchzukommen, jedenfalls gibt’s es in jedem Laden große Aufregung, wenn Wolfgang Eier, Kartoffeln und Tomaten kauft. Wenn nicht genug da ist, dann rennt einer los und holt es von nebenan. Kundendienst at it’s best.
Gut 100 km später sind wir in Ithezi-Thezi, dem Hauptort am Nationalpark. Hier gibt es zahlreiche Camps, da werden wir sicher etwas Gutes finden.
Der erste Anlauf ist ernüchternd. Über eine richtig miese Piste hoppeln wir bis auf eine Wiese am See. Das ist also das in den Medien hoch gelobte Camp. Es ist nichts zu sehen, nicht einmal ein Schild. Nebensaison halt.
Beim nächsten, ebenfalls als sehr schön beschriebenen Camp finden wir zwar Häuser und Hütten, sogar ein Schild, aber trotz Hupens keinen Menschen.
Langsam macht sich Ratlosigkeit breit. Das ist nicht Low Season, sondern No Season. Die ganze Gegend wirkt wie ausgestorben.
Ein paar Kilometer weiter soll die Musungwa Lodge liegen. Auch so eine Nullnummer?
Die Zufahrt ist nicht zugewachsen und der Parkplatz sogar recht gepflegt, aber gähnend leer. Wolfgang geht ins Haupthaus und findet die Rezeption. Mit Klingel. Einmal Bimm und schon kommt ein junger Mann angelaufen. Auf die Frage, ob sie geöffnet haben, nickt er ganz heftig. Einen Campingplatz hätten sie auch, mit frisch renovierten Sanitäranlagen! Und ein Restaurant. Sogar einen Koch im Dienst. Und einen großen Swimmingpool.
Wo ist der Haken? Beim Preis? Nö, akzeptabel. Das Einzige, was sie nicht haben, sind Gäste.
Jetzt haben sie!
Eine ganze Lodge mit Pool und Küchenbrigade für uns ganz allein? Nach den jüngsten Erfahrungen klingt das extrem unwirklich.
Als Wolfgang zum Bus zurückkommt schüttelt Anette ungläubig den Kopf. An der Geschichte muss doch etwas faul sein. Aber was?
Wir fahren aufs Camp. Auch da ist alles in Ordnung, sogar die Sanitäranlagen. Weil der Boiler noch nicht aufgeheizt ist, dürfen wir die Duschen eines Chalets nutzen.
Der Portier fragt uns eher beiläufig, ob wir etwas zu essen haben wollen. Es wird gerade dunkel, wir haben eine lange Fahrt hinter uns und sind einigermaßen platt. Da fällt diese Frage auf fruchtbarsten Boden. Anette ordert ein Steak, Wolfgang einen Fisch. Wann wir denn im Restaurant sein sollen? „Gar nicht, das Essen kommt hierher zu euch.“
Vor einer Stunde haben wir noch mit einer Nacht am Straßenrand gerechnet, jetzt beschleicht uns ein VIP-Feeling.
Wir holen unseren Tisch raus und warten auf das, was da kommen mag. Pünktlich hören wir Stimmen und der Koch mit Kochmütze und seine Mannschaft stehen vor uns. Sie haben alles dabei, was man bei einem Essen im Restaurant erwartet, inklusive Servietten, Gewürzen, kalten Getränken, Gläsern und zwei Tellern mit großem Deckel.
Auf Kommando werden die Deckel gelupft und unser VIP-Feeling wird zum Sterne-Restaurant-Feeling. Alles perfekt. Wirklich perfekt.
Es ist ein denkwürdiger Tag, mit Extremen, die man nicht jeden Tag haben möchte.
Sonntag, 2.2.25 (Musungwa Lodge) Wir machen heute nichts. Gar nichts.
Pool ist angesagt und ein paar kühle Getränke. Nachmittags bringt der Koch selbstgemachtes Speiseeis. Und später kommt noch frisch zubereitetes Popcorn dazu. Leben wie Gott in Zambia.
Selbst Internetzugang haben wir hier! Der Wetterbericht erzählt uns, dass es morgen noch einmal sonnig werden soll, danach wird es heftig regnen.
Montag, 3.2.25 (Kafue-Nationalpark) Die Leute aus der Lodge erzählen uns, dass der Nationalpark wegen der heftigen Regenfälle ziemlich verschlammt wäre und deshalb wochenlang kein Fahrzeug auf der Hauptachse, der sog. Spinal Road, durchgekommen sei. Doch die letzten sonnigen Tage dürften nicht ohne Wirkung geblieben sein. Wir sollten uns vorher auf jeden Fall im Hauptquartier des Nationalparks erkundigen.
Dort angekommen zahlen wir unseren Obolus und auf die Frage nach der Spinal Road ist man ein wenig ratlos. Es hat in letzter Zeit niemand die 80 km abgefahren. Gestern wären einige Flussdurchfahrten im Norden noch unpassierbar gewesen, doch das könnte sich entspannt haben.
Wenn wir nicht weiter kommen, müssten wir wieder zum Hauptquartier zurück, denn alle Camps an der Piste wären zurzeit verlassen.
Nur wenige Kilometer südlich von hier sind die beiden Brücken weggespült worden, wegen denen wir vor acht Tagen umdrehen mussten. Es war zwar ein langer Weg außen herum, aber ohne den hätten wir auch einige sehr schöne Erlebnisse nicht gehabt. Und letzten Endes geht es genau darum, nicht um die Kilometer.
Um 10 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Norden. Mal schauen, was uns erwartet und wo wir heute Abend schlafen.
Die Piste ist gut und hier in der Nähe des Hauptquartiers wohl auch noch von Rangern befahren. Doch nachdem wir in einem großen Bogen um den Ithezi-Thezi-See herum sind, wird es einsam. Erkennbar daran, dass die Termitenbauten auf der Piste so hoch sind, dass wir ihre Penthäuser mit der Vorderachse abrasieren. Diese erhöhten Fluglöcher bauen sie sich, damit sie nach einem Regen schnell zu Tausenden den Bau zum Hochzeitsflug verlassen können. Dann ist der Untergrund weich genug, damit sich ein Pärchen in den Boden eingraben kann, um einen neuen Staat zu gründen. 99-Komma-x Prozent der Schwärmer erleben den Abend allerdings als Futter.
Viele Tiere sehen wir nicht, das Gebüsch ist zu grün und zu dicht. Ein paar Warzenschweine, auch Antilopen, zwei Warane und ein paar Äffchen. Die dominante Größe auf dieser Stecke ist die Einsamkeit. Egal in welche Richtung, man muss immer mehrere Stunden fahren, um andere Menschen zu treffen. Unter diesen Umständen wäre es von Vorteil, wenn das Auto funktionieren würde und wir alles Nötige dabei hätten.
Das tut es.
Die gestern noch unpassierbare Furt macht jetzt gerade mal die Reifen nass.
Nach sieben Stunden sind wir am Ausgang und der Ranger, der uns kontrolliert, fragt erstaunt, ob wir tatsächlich vom Hauptquartier kämen. Gestern hätten Fahrzeuge in der anderen Richtung noch umkehren müssen.
Glück gehabt.
Nur wenige Kilometer weiter liegt das einzige Camp, von dem wir hörten, dass es offen sei. Rechtzeitig zum Sundowner sind wir da. Und natürlich die einzigen Gäste.
Wir stellen uns dicht an den hohen Teil des Ufers, damit uns die Nilpferde bei Nacht nicht durchs Auto laufen. Außerdem können wir ihnen hier mit einem Drink in der Hand wunderbar beim abendlichen Wettschimpfen zuhören.
Ein würdiger Tagesausklang …
Dienstag, 4.2.25 (Roys Camp-Ngonje River Camp) … und ein unwürdiger Tagesanfang.
Es hat nachts leicht geregnet, aber noch nicht genug, um den Boden weich werden zu lassen. Noch nicht! Wir stehen um 6:30 Uhr auf und wollen ohne Frühstück gleich los, um keine Probleme zu bekommen.
Doch es fängt an, aus Eimern zu schütten. Im Nu steht alles unter Wasser und unsere Aussichten, hier einfach rauszufahren sinken unter null.
Wolfgang watet mögliche Fahrwege ab, doch selbst zu Fuß ist das eine klebrige Sauerei. Der Boden nennt sich Black Cotton Soil und ist im nassen Zustand das Übelste, was man sich denken kann. Im Nu sind alle Reifenprofile verstopft und die Klebeschichten werden immer dicker. Dafür ist es bei Trockenheit hart wie Beton.
Mit seinen Schuhen darf Wolfgang nicht mehr in den Bus. Frühstück im Stehen.
Nach zwei Stunden lässt der Regen etwas nach. Wir haben nun zwei Optionen. Entweder abwarten bis es abtrocknet, was in der Regenzeit auch mal eine Woche dauern kann, oder irgendwie versuchen, den Wagen zu drehen und mit der Seilwinde die 100 m bis auf eine festere Piste zu ziehen. Bäume sind genug da und Seil auch.
Wir diskutieren das mit dem Platzwart und zwei weiteren jungen Männern. Kräftigen jungen Männern! Und die meinen, dass sie uns durch den Schlamm schieben könnten. Wolfgang zweifelt, aber mangels besserer Alternativen ist es allemal das Risiko wert.
Beim Versuch, den Wagen zu wenden, drehen schon nach wenigen Zentimetern die Räder durch. Das Profil hat sich sofort zugesetzt. Wir müssen also einen großen Halbkreis fahren bzw. geschoben werden.
Jetzt kommt die Stunde der Jugend. Die drei nehmen hinterm Bus Aufstellung, Wolfgang gibt Vollgas und der Wagen schlingert langsam vorwärts. Tatsächlich gelingt die Kurve und nach kurzer Zeit stehen wir auf festerem Grund. Großer Jubel bei allen, hörbares Aufatmen bei Anette.
Die Männer haben sich ein ordentliches Salär verdient, nicht nur ein Trinkgeld. Plötzlich sieht die Welt für uns gar nicht mehr so trübe aus.
Auf den zwei Kilometern vom Camp bis zur Asphaltstraße gibt es eine schlimme Stelle und die Männer bieten uns an, uns bis dahin zu begleiten. Doch vor diesem Wasserloch können wir ordentlich Anlauf nehmen und sollten ohne Hilfe durchkommen. Wir verabreden, dass wir nach dem Loch dreimal Hupen (unsere Kompressorfanfare hört man weit genug). Wenn sie nichts von uns hören, hängen wir fest und es wäre nett, wenn sie zum Schieben kämen.
Drei Minuten später drückt Wolfgang mit Begeisterung auf die Hupe. Wir sind auf Asphalt!
Bevor wir weiterfahren können, müssen wir noch den Fußraum beim Fahrer entschlammen. Das Zeug darf nicht hart werden. Während wir das tun, fällt uns noch eine dritte Option ein, die uns aus dem Schlammassel hätte helfen können. Neben uns grasen friedlich zwischen den Hütten Elefanten. Hätten die nicht …?
Wir genießen den Asphalt und den Regen, der uns einige Kilogramm vom Auto spült. Leider hält die Beifahrertür nicht dicht. Anette kommt mit Handtüchern gar nicht mehr hinterher, so viel Wasser dringt plötzlich oben durch die Dichtung. Uns ist völlig schleierhaft, was da passiert ist. In einer Regenpause können wir nichts Auffälliges erkennen.
Heute ist der Tag des A uf und Abs. Nach Glück im Schlamm und flotten 100 km ist der Asphalt plötzlich rotbraun und hört dann ganz auf. Die Straße hat anfangs nur ein paar Schlaglöcher und ist dann kilometerlang gar nicht mehr da. Wir quälen uns zusammen mit ein paar schwer beladenen Lkws im Kriechtempo voran. Manche Wasserlöcher würden wir, wenn wir alleine wären, nicht durchfahren, aber da es die Fahrzeuge vor uns tun, trauen wir uns auch.
Nach 80 km und fast vier Stunden ist die Sauerei endlich vorbei. Allerfeinster Asphalt, keine Löcher, kein Schlamm, immer geradeaus, von zwei Meter hohem Gras eingerahmt. Ein Traum. Und plötzlich ist das Ziel, was wir uns für heute vorgenommen und schon zweimal aufgegeben hatten, wieder machbar.
In Mongu, der einzigen größeren Stadt, bremst ein Auto vor uns und man signalisiert uns, anzuhalten. Da so etwas öfters passiert und wir ja nicht wegen jedem anhalten können, fahren wir einfach vorbei. Doch der Wagen überholt uns wieder und das Spiel beginnt von Neuem. Dann entdeckt Anette eine blaue Lampe auf dem Dach. Es könnte sein, dass uns jetzt Ungemach bevorsteht.
Wir halten hinter ihnen an, drei Uniformierte steigen aus und fragen uns nach unseren Zollpapieren. Da die in Ordnung sind, bedanken sie sich freundlich, wünschen uns eine gute Fahrt und erklären uns noch, wo wir in der Innenstadt abbiegen müssen. Beim Weiterfahren lesen wir auf ihrem Auto „Zollfahndung“.
So eine Kontrolle hatten wir noch nie. Das hätte deutlich unfreundlicher enden können. Und in der Vergangenheit wäre es das auch, doch in Zambia - und den Nachbarländern - hat sich das Auftreten der Uniformierten in den letzten Jahren sehr positiv verändert.
Jetzt haben wir noch 200 km vor uns, alles sehr guter Asphalt. Eine Stunde vor Sonnenuntergang sind wir auf dem Camp, wo wir vor neun Jahren schon einmal waren. Von außen sieht es noch genauso klein und unscheinbar aus, aber innen hat es sich gewaltig weiterentwickelt. Viele neue Häuschen mit Blick auf den Zambezi und sogar ein kleines Restaurant. Aber außer uns keine Gäste. Wie damals.
Wir lassen uns noch etwas zu essen machen, dann ist Feierabend. Die 500 km haben uns doch ordentlich zugesetzt.
Mittwoch, 5.2.25 (Ngonje River Camp) Heute wollen wir keinen Motor hören. Trotzdem müssen wir uns ein bisschen um den Bus kümmern. Der Wassereinbruch ist nach wie vor rätselhaft. Mit zwei Brillen auf der Nase erkennt Wolfgang an der Türdichtung eine kleine überflüssige Gummilippe, die die Ursache gewesen sein könnte. Dank Dremel ist sie schnell beseitigt und wir hoffen, dass die Inkontinenz damit Vergangenheit ist.
Die harten Kilometer der vergangenen Tage haben doch ein bisschen Tribut gefordert. Ein Schloss ist kaputt, ein anderes schwergängig, zwei Kontrolllampen fehlt die Erleuchtung, das Lamellenfenster lässt sich nicht mehr schließen …
Wir brauchen ziemlich bald ein paar Putz- und Flicktage.
Vielleicht ergibt sich das notgedrungen. Anette hat seit einigen Tagen immer wieder mal Krämpfe im Kiefer und den Beinen, ist manchmal schlapp und kurzatmig und fühlt sich oft nicht gut. Speziell wegen der Kieferkrämpfe klingelt bei Anette das Wörtchen „Tetanus“ durch den Kopf. Außerdem hatte sie vor drei Wochen einer der Hunde gekratzt, da hätten Bakterien ein Leichtes gehabt. Es ist verblüffend, wie gut die Symptome zu Tetanus passen. Doch Anette ist geimpft! Da Tetanus unbehandelt auch heute noch ziemlich tödlich ist, schildern wir die Symptome per Mail ihrer Hausärztin. Die schließt jedoch Tetanus aus und vermutet bei Anette eher eine Entgleisung. Mit so etwas ist Anette bisher eher nicht aufgefallen, doch es sind nur die Elektrolyte. Zu wenig getrunken, zu wenig Mineralstoffe und schon fallen Anettes Elektrolyte aus der Rolle und ihr ein Stein vom Herzen.
Wir werden morgen über die Grenze nach Namibia fahren. Dort gibt es in Katima Mulilo ein gutes privates Hospital, wo sie einen Bluttest machen lassen kann. Wenn wir Pech haben, müssen wir ein paar Tage auf die Ergebnisse warten, doch das sind genau die Tage, die wir - und das Auto - gut gebrauchen könnten.
Nachdem die Tetanus-Angst weg ist, leidet Anette unter einem ganz anderen Problem. Auf dem Camp läuft ihr eine wahrscheinlich wilde und furchtbar abgemagerte Hündin hinterher. Den Kopf leicht nach unten geneigt und die Augen seitlich nach oben gerichtet (die Hündin), da kann Anette nicht lange widerstehen und opfert unsere einzige Dose mit Würstchen. Und am nächsten Morgen auch noch Toastbrot. Mit Butter!
Donnerstag, 6.2.25 (Ngonje River Camp-Katima Mulilo)
Um kurz vor 10 Uhr haben wir uns von allen verabschiedet (Hunden, Katzen, Menschen) und sind zwei Stunden später an der namibischen Grenze. Dieser Übergang wird von allen Lkws genutzt, die den namibischen Hafen Walvisbay mit Zambias Kupferminen verbinden. Industrieausrüstung zu den Minen, Kupfer zum Hafen, alles per Schwerlast-Lkw. Zwergenfahrzeuge wie unseres müssen sich allerdings nicht in die Schlange stellen. Trotzdem dauert es in Zambia eine halbe Stunde für drei Stempel, in Namibia eine Stunde. Dummerweise ist es auch noch ziemlich heiß, deshalb haben einige Beamte ihren Arbeitsplatz kurzerhand nach draußen unter ein Schattendach verlegt.
Am Stadtrand von Katima gibt es ein großes schönes Camp direkt am Zambezi, wo wir schon einige Male waren. Diesmal haben wir es zum ersten Mal für uns ganz alleine. Fast! Auch hier gibt es eine abgemagerte Hündin.
Freitag, 7.2. bis Sonntag, 9.2.25 (Namwi Island Camp) Wir sind schon früh morgens im Privat-Hospital und erklären, was wir brauchen. Alles kein Problem, um 14 Uhr sollen die Ergebnisse da sein.
Afrikanische 14 Uhr sind üblicherweise eher 15 oder auch 18 Uhr. Als wir zur Rezeption kommen, erklärt uns die Dame breit grinsend, dass wir 24 Minuten zu spät seien. Sie weiß ja, dass wir aus Deutschland sind. Vermutlich ist ihr Deutschland-Klischee jetzt gründlich zerstört.
Ein Arzt erläutert uns die Ergebnisse. Die erwartete Entgleisung von Anettes Elektrolyten ist keine oder keine mehr. Alles im grünen Bereich. Sie wird als geheilt entlassen, soll zur Sicherheit aber noch einen Malariatest machen
Da das Wetter einigermaßen trocken ist, wollen wir endlich mal versuchen, abends etwas auf den Grill zu legen. Seit letztem Jahr in Mozambique hat das nicht mehr geklappt. Entweder kein Fleisch oder kein schöner Platz oder Regen oder müde.
Seit dieser Zeit haben wir auch Brennholz auf dem Dachgepäckträger herumgeschleppt. Beim Abpacken entdecken wir, dass das seit zwei Wochen das perfekte Habitat für die Baumameisen ist. Seitdem verging kein Tag, an dem wir nicht ein paar hundert von ihnen platt gedrückt hätten. Das ist ein Teil unseres täglichen Rituals.
In ein paar tausend Jahren, wenn Ameisen die Welt regieren, wird in ihren Mythen die Odyssee in dem gelben Blechding als Zeit des großen Massakers in Erinnerung bleiben. Die, die das überlebt haben, werden als Helden verehrt und eine Religion begründen. So oder so ähnlich hat das ja schon öfters auf der Erde geklappt.
In einigen südafrikanischen Nationalparks stehen große Schilder: „Fight alien invaders!“. Gemeint ist der Kampf gegen invasive Pflanzen- und Tierarten. Genau so sehen wir die Ameisen und wir werden unseren Lebensraum mit Zähnen und Klauen gegen sie verteidigen. Vor allem mit den Daumen …
Die Steaks gelingen perfekt, die Kartoffeln im Feuer ebenfalls und auch der Salat ist gut. Und ein paar Gläser Rotwein für unseren grandiosen Sieg gegen eine zahlenmäßig weit überlegene Streitmacht gibt es oben drauf. Der magere Hund freut sich über ein paar Knochen und Anette über die gute Tat.
Da wir die einzigen Gäste sind, macht es auch nichts, dass wir am Sonntag einen vollen Arbeitstag hinlegen. Wäsche waschen und den Schlamm vom Auto kriegen. Volle zwei Stunden mit Badehose und Schlauch, dann kommt wieder ein gelbes Auto zum Vorschein.
Montag, 10.2.25 (Katima Mulilo-Ngepi Camp) Noch mal richtig shoppen und tanken, dann geht es 350 km nach Westen durch den Caprivi-Streifen, den nach dem Nachfolger Bismarcks benannten Wurmfortsatz Namibias. Dank dieser Merkwürdigkeit, die nur dazu diente, die Briten zu ärgern, darf Namibia heute bei der Verteilung des Zambezi-Wassers mitreden.
Der Caprivi-Streifen ist fast komplett als Nationalpark ausgewiesen und das heißt für die Durchgangsstraßen: immer geradeaus, links sattes Grün, rechts sattes Grün und jetzt in der Regenzeit nullkommanull Tiere. Wirklich gar nichts.
Als wir hier vor gut 30 Jahren zum ersten Mal entlang fuhren, war die gesamte Strecke noch eine mittelprächtige Piste und die Bundesrepublik finanzierte den Ausbau zur Asphaltstraße. Inzwischen ist diese Straße arg ramponiert, weil sie die Hauptachse vom Atlantik nach Zambia und in die Nachbarländer ist. Die Laster von den zambischen Kupferminen dürfen über 50 t wiegen, das macht auf die Dauer jede Straße müde.
Soweit wir wissen, werden die Reparaturarbeiten nicht von der Bundesrepublik finanziert, doch ein deutscher Einfluss ist - wohl ungewollt - noch erkennbar. Oder ist das eine ver steckte Botschaft an die Autofahrer?
Abends kommen wir in einem Camp an, das schon durch seine Hinweisschilder einen netten Humor zeigt. Es liegt direkt am Kavango. Der ist jetzt groß, breit und träge, versickert aber 100 km flussabwärts in den Sümpfen des Okavango-Deltas. Das Ufer ist hoch und steil genug, um weder Hippos noch Krokodile aufs Camp kommen zu lassen. Hoffentlich.
Es gibt sogar ein Restaurant mit einem Abend-Buffet, was uns gerade sehr recht kommt. Das Preisniveau ist eher hoch, was auch kein Wunder ist, denn alles muss hierher in die Wildnis geschafft werden. Der nächste größere Ort ist 200 km entfernt.
Beim Essen und später an der Bar lernen wir ein nettes deutsches Paar mit Kind kennen. Sie sind aus Berlin (Anette aus Potsdam) und Bitterfeld (Wolfgang aus Halle) und reisen ein paar Wochen in Namibia herum. Sie bieten uns an, morgen mit ihrem Geländewagen in den nahegelegenen Mahango-Nationalpark zu fahren.
Gute Idee.
Dienstag, 11.2.25 (Ngepi Camp) Wolfgang hat heute dienstfrei und wir genießen es, nicht gleichzeitig auf die Piste und auf die Tiere achten zu müssen.
Wir sehen in den zwei Stunden, die wir im Park sind, ziemlich viel. Warane, Krokodile, Giraffen und vor allem viele Elefanten. Gleich mehrere Gruppen sind auf dem Weg zum oder vom Ufer. Offensichtlich gibt es im Hinterland nicht genug Wasserlöcher.
Und ein anderes Raubtier saß auf dem Hubdach. Ein Dickpen oder auch Namibian Prawn. Äußerst gefährlich für alles, was grün oder klein ist. Aber unser Bus ist ja gelb und groß ...
Am Abend fragen uns auf dem Camp drei junge Männer aus der Schweiz und Italien, welcher der Nationalparks denn erfolgversprechender sei, der auf dieser Seite des Ufers oder der auf der anderen. Wolfgang erklärt ihnen, dass auf der anderen Seite alles zugewachsen sei und man deshalb keine Tiere sehen kann. Bei einem Blick auf ihr Navi sieht Wolfgang, dass sie genau dort durchgefahren sind, aber nicht bemerkt haben, dass sie im Nationalpark waren. Es steht ja nur alle paar Kilometer auf großen Schildern. Als sie jedoch erzählen, dass sie erst vor fünf Tagen in Namibia angekommen sind und bisher schon über 2500 km hinter sich haben, wird manches klar. Etosha Nationalpark und Victoria-Fälle haben sie jedenfalls schon abgehakt. Sie wollen das Land im wahrsten Sinne „erfahren“. Sie haben noch knapp eine Woche Zeit und wollen selbstverständlich auch den Süden Namibias erkunden. Die nächsten 3000 km.
Einer der drei hatte gleich am Anfang erwähnt, dass er zu Hause einen Ferrari Spider fährt. Manchmal sind Klischees erschreckend treffsicher.
Mittwoch, 12.2.25 (Ngepi Camp-Red Line) Angestachelt durch die schweizerisch-italienische Kilometerleistung wollen wir heute auch zeigen, was wir können. Aber eines muss vorher noch sein: ein Bad im Kavango, zusammen mit Krokodilen und Nilpferden. Klingt idiotisch, ist es vielleicht auch. 
Vorm Camp ist im Fluss ein großes Gitter verankert, das von ein paar Fässern über Wasser gehalten wird. Man kann darin schwimmen, muss aber massiv gegen die Strömung anarbeiten.
Das Gitter hat eine Maschenweite von rund 15 cm, richtige Krokodile passen also nicht hindurch. Und die schlanken Halbmeterexemplare könnten bestenfalls in die Wade zwacken. Ob das Gitter nach unten hin geschlossen oder offen ist, hat Wolfgang nicht überprüft. Das will er auch gar nicht so genau wissen. Doch von Verlusten wurde hier nichts erzählt. Bisher.
Es war wegen der heftigen Strömung anstrengend, aber sehr erfrischend.
Unsere heutigen 300 km sind problemlos in ein paar Stunden abgespult. Die einzige Besonderheit ist ein einstündiges Gewitter, das mal wieder die Dichtheit unserer Fenster testet. Die reparierte Beifahrerseite hält dem Angriff tapfer stand, obwohl Anette sicherheitshalber alles Handtuchartige bereit gelegt hatte. Dafür macht die Fahrerseite schlapp und Wolfgang kann nur noch einhändig fahren, das Handtuch in der anderen.
Kurz vorm Ziel kommen wir über die sog. Red Line. Wir müssen durch die Veterinärkontrolle, denn wir verlassen jetzt das Maul-und-Klauen-Seuche-Gebiet (der ganze Norden Namibias) und man darf in den Süden kein rohes Fleisch mitnehmen. Auch Eier mussten wir schon mal an so einer Kontrolle kochen.
Wir haben nichts Kritisches dabei und der Beamte begnügt sich mit einem oberflächlichen Blick in den Kühlschrank. Gute Fahrt.
Gleich dahinter befindet sich auf einer Farm ein schönes Camp. Das Empfangskomitee, ein riesiger Fleischerhund, lädt nicht zum Aussteigen ein. Doch als das Herrchen dazu kommt, traut sich Wolfgang mit erhobenen Händen raus und wird tatsächlich nicht gefressen.
Das Camp ist hübsch angelegt, blökende Schafe im Hintergrund, schlechtes Wetter über uns und eine furchtbar scharfe Tütensuppe in uns. Wir haben fertig.
Donnerstag, 13.2.25 (Red Line-Sachsenheim) Nochmal 300 (langweilige) Kilometer, dann stehen wir vor den Toren der Etosha-Pfanne. Doch an einer Tankstelle macht es unterm Gaspedal plötzlich Plinggg und das Pedal liegt auf dem Bodenblech auf. Irgendetwas ist gebrochen oder gerissen. Der Motor läuft nur noch im Leerlauf und wir können bestenfalls langsam rollen.
Wir müssten noch 130 km schaffen, aber bei dem Tempo wird das nichts. In der Nähe liegt ein Camp, zu dem wir gemütlich zockeln. Leider ist das Camp erst im Aufbau. Und nun?
Reparieren auf der Straße geht nicht, wir wissen ja nicht einmal, was kaputt ist. Stattdessen gaukeln wir dem Vergaser mit einem Stück Draht vor, dass der Fahrer Gas gibt. Das funktioniert ganz ordentlich, in der Ebene fahren wir mit 50 km/h, bergauf 20, bergab 90. Aber beim Schalten jault der Motor hoch wie bei einem Fahranfänger …
Drei Stunden später sind wir tatsächlich in Sachsenheim, einer Farm am Rande des Etosha Nationalparks. Hier werden wir nicht nur reparieren, sondern auch das stets gute Essen genießen. Und wir hoffen, dass es nicht allzu viel regnet.
Freitag, 14.2.25 (Sachsenheim) Der Regen hält sich zurück und Wolfgang entfernt die Bodenplatten, um an die Gaspedalmechanik zu kommen. Es ist nichts gebrochen, nur der Gaszug gerissen. An sich kein Problem, denn wir haben immer einen neuen dabei. Aber im Laufe der Jahre hat sich das Rohr, in dem der Zug läuft, mit Dreck zugesetzt. Das Ding ist drei Meter lang mit ein paar Kurven. Versuche, es mit einem langen Draht in der Bohrmaschine frei zu räumen, bringen zwar Fortschritt, aber keinen Durchbruch. Erst als die Camp-Chefin uns zwei Meter ihres Weidezaundrahtes anbietet, klappt es. Der ist stabil genug, auch die härteste Kruste wegzuschrappeln.
Problem erledigt, Abendessen verdient.
Samstag, 15.2.25 (Etosha Nationalpark)
Auf zur Etosha-Pfanne, sie ist ja nur ein paar Kilometer entfernt. Schon auf der Zufahrt kommen uns ein paar Fahrzeuge entgegen, die etwas, nun ja, versaut aussehen. Weißer Schlamm, manchmal bis aufs Dach.
Es gibt hier immer zwei Arten von autofahrenden Touristen: die, die ihr Auto selber sauber machen müssen, und die anderen, die es am Ende so dreckig, wie es ist, abgeben können.
Wir fahren auf den nächsten 200 Kilometern eher am Rande durch die Matschlöcher. Gelegenheiten, den Schlamm fliegen zu lassen, gibt es dieses Jahr sehr viele, manche Pisten sind wegen zu viel Schlamm sogar komplett gesperrt. Unsere Radkästen sehen nach kurzer Zeit aus, wie mit Spritzbeton ausgekleidet. Das Schöne an der Pampe ist aber, dass der nächste Regen auf Asphalt alles wieder wegspült.
Da es in den vergangenen Wochen ordentlich geregnet hat, steht die Pfanne großflächig unter Wasser. Das ist nicht in jeder Regenzeit der Fall.
Der „normale“ Weg durch Etosha hangelt sich entlang der künstlichen Wasserlöcher, die Pisten sind hart und staubig und die Tiere zahlreich und durstig. Das ist dieses Mal ganz anders. Die Wasserlöcher sind nicht mehr künstlich, sondern überall. Die Tiere haben mehr als genug Wasser und Futter und die gesamte Landschaft ist unanständig grün. Frühlingsgrün.
Ja, wir sehen ein paar Tiere, nämlich die, die man immer sieht, trotzdem haben wir das Gefühl, dass wir nichts sehen. So sparsam war Etosha noch nie.
An einer Stelle stehen mehrere Geländewagen. Natürlich stellt man sich dazu und schaut in die Richtung, in die alle schauen. Da liegen tatsächlich zwei Löwen faul im Gras, 50 m entfernt. Immerhin etwas!
Am späten Nachmittag treffen wir in Halali ein, einem Camp, was etwa auf halbem Wege liegt und das das beste Wasserloch in Etosha hat. Hier haben wir schon Heerscharen von Elefanten gehabt, die sich mit den Nashörnern, Löwen und Hyänen stritten. Ganz großes Kino!
Und heute? Kino geschlossen! Es regnet und das Camp steht großflächig unter Wasser. Unter einem Blechdach machen wir auf die Schnelle etwas zu essen und verschwinden im Bett.
Sonntag, 16.2.25 (Etosha Nationalpark) Am Morgen ist es nicht viel besser, aber wenigstens hat es aufgehört zu regnen.
Andere Camper erzählen uns, dass sie einen Hubschrauber über dem Nationalpark gesehen hätten und deshalb annahmen, dass man jetzt Rundflüge buchen könne. Die Dame an der Rezeption hat sie schließlich aufgeklärt, dass das eine Rettungsaktion gewesen sei. Drei Geländewagen hätten sich so festgefahren, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr weiter kamen. Sie haben drei Tage auf dem Dach verbracht und dann den Hubschrauber als Taxi gerufen.
Und wer holt die Fahrzeuge nach der Regenzeit wieder raus? Das dürfte heftig ins Geld gehen.
Die Tiere haben nach dem Regen noch viel weniger Gründe, sich an der Piste zu zeigen. Kein Elefant, kein Nashorn, kei n Raubtier, nur die üblichen Antilopen und ein paar Giraffen. Und plötzlich zwölf Löwen, direkt neben der Piste. Mehrheitlich Löwinnen. Die hätten wir sogar im Vorbeifahren entdeckt, aber natürlich standen etliche Autos am Rand.
Das mit den Autos funktioniert erstaunlich gesittet. Alle paar Minuten fährt ein Wagen weg und die Reihe rückt nach, so dass jeder die Löwen einmal formatfüllend im Bild hat.
Kurz darauf sind wir in Okaukuejo. Wir kommen mit ein paar einheimischen Fahrern ins Gespräch. Deren „Ausbeute“ an Tieren war auch nicht üppiger als unsere. Es ist einfach die falsche Zeit für Tierbeobachtungen. Die Zwölfergruppe der Löwen war für alle das Highlight.
Von Okaukuejo geht es auf Asphalt zum Ausgang. Wir machen noch einen Schlenker zu einem Wasserloch, wo immer große Gruppen Wild auf einer gleißend weißen kahlen Fläche herumstehen. Normalerweise! Heute rein gar nichts auf einer beißend grünen Wiese.
Wenn das unser erster Etosha-Besuch gewesen wäre, wären wir wohl ziemlich enttäuscht. Es stimmt so rein gar nichts mit den üblichen Werbebildchen überein. Aber der extreme Unterschied zum „Normalen“ hat auch seinen Reiz.
Ein paar Kilometer außerhalb müssen wir tanken und erfahren eher zufällig, dass hinter der Tankstelle auch ein Camp ist. Und was für eins! Obwohl schon ein paar Jahre alt, funktioniert hier alles, wirklich alles! Die Stellplätze sind großzügig und schön gestaltet, da hat sich der Designer viel Mühe gegeben. Und alles ist pikobello sauber, der Gegenentwurf zum überteuerten Halali-Camp.
Auch hier gibt es ein großes beleuchtetes Wasserloch, dessen Schutzzaun auf Raubtiere schließen lässt. Wir sehen hier genau dieselben Tiere wie im Halali-Camp. Nämlich keine.
Montag, 17.2. bis Dienstag, 18.2.25 (bei Etosha) So ein Platz ist gut für mehrere Tage.
Beim Frühstück stürmen plötzlich vier jüngere Männer auf unseren Platz und sprechen uns mit Namen an.
Hä?
Nach ein paar Sekunden Verblüffung klären sie uns auf und bestellen uns schöne Grüße von Diana und Walter.
Die vier Männer hatten uns gestern in Etosha stehen sehen und ein Foto von uns in irgendeine WhatsApp-Gruppe gestellt. Daraufhin haben Diana und Walter sofort zurückgeschrieben „… die kennen wir doch, bitte grüßt sie schön von uns …“. Aber wir waren schon weg.
Zufällig haben die vier heute an derselben Tankstelle getankt und uns auf dem Camp stehen sehen.
Wir kennen Diana und Walter, seit wir uns vor 13 Jahren in Mozambique getroffen haben. Das war damals die wohl größte Ansammlung von Münchner Fahrzeugen auf der südlichen Halbkugel (immerhin vier in einem Ort). Seitdem sind wir uns immer wieder mal über den Weg gefahren. Afrika ist ja nicht sooo groß.
Man ist heutzutage selbst im Busch nicht mehr unbeobachtet …
Mittwoch, 19.2.25 (Etosha-Erongo Rocks) Gestern haben wir in einem Internet-Forum von jemand anderem, den wir ebenfalls ein paar Mal in Afrika trafen, einen Tipp für ein sehr gutes Camp gelesen. 300 km südlich von uns, quasi auf unserem Weg nach Windhoek. Zwei Drittel der Strecke werden asphaltiert sein, der Rest hoffentlich gute Piste.
40 km vor dem Ziel verlassen wir uns bei der Ortsdurchfahrt auf das Navi. Wir haben schlicht geschlafen und folgen ohne nachzudenken den Anweisungen. Nicht nur, dass wir durch ein sandiges Flussbett geschickt werden - 500 m weiter wäre eine Brücke gewesen -, sondern wir werden auch auf eine Abkürzung durch einen gerade neu entstehenden Vorort gelotst, also Feldwege mit ein paar abgesteckten Parzellen. Die Leute schauen uns ganz erstaunt an, winken freundlich und fragen sich, warum wir hier herumhoppeln. Jeder Einheimische weiß, dass man um die Siedlung auf feinem Asphalt herumfahren kann, nur unser Navi nicht.
Irgendwann haben wir den Unsinn geschnallt, ignorieren das Navi und finden schließlich die richtige Straße und sogar die Abzweigung auf die Piste zu unserem Camp. Die allerdings hat es in sich. Extrem kaputt gefahren, tief ausgespülte Rillen und hartes Wellblech. Fahrradfahrertempo.
Nachdem wir fast 20 km vor uns hingeklappert haben, kommt ein seligmachendes Verkehrsschild: „Pistenhobel an der Arbeit“. Ein unförmiges sechsrädriges Fahrzeug hobelt auf der einen Seite der Piste die oberen Zentimeter ab und schiebt sie auf die andere Seite. Darunter kommt eine ziemlich gut befahrbare Oberfläche zum Vorschein. Aber das Schönste ist, dass uns der Hobel entgegenkommt, wir also bis zu unserem Ziel in 30 Kilometern auf einer nagelneuen Piste fahren dürfen. Erstbefahrung!
Die Erongo Rocks Farm liegt in einem Gebirgstal und bietet ein Dutzend individuell gestalteter und weit auseinander liegender Stellplätze. Alles ist noch ziemlich neu und mit viel Liebe zum Detail entworfen. Bei einigen sind die Sanitäranlagen wahre Kunstwerke in einer grandiosen Felslandschaft.
In der ersten Nacht stehen wir auf einem Platz, der an sich für größere Gruppen vorgesehen ist, komplett mit allem ausgerüstet, was man braucht, vom Kocher bis zum Kochlöffel und natürlich mit eigener Bar. Very ungewohnt, aber angenehm.
Hier wird immer wieder vor Nashörnern gewarnt. Angeblich gibt es tatsächlich welche, aber als Marketing-Gag wäre es auch gut.
Donnerstag, 20.2.25 (Erongo Rocks) Am nächsten Tag machen wir eine längere Tour de Toilette über das Camp.   Die Plätze liegen teilweise kilometerweit auseinander, einige sehr malerisch in die Felsen hineingebaut und viele haben phantasievoll gestaltete Toiletten. Allein die sind eine Reise wert. Da merkt man, dass die Leute mit Begeisterung bei der Sache sind.
Freitag, 21.2. bis Samstag, 8.3.25 (Erongo Rocks-Windhoek) Die Hauptstadt wartet.
Kaum sind wir zurück auf Asphalt und wollen es mal so richtig laufen lassen, da scheppert es hinten im Auto, als würden wir mit Vollgas auf Krücken humpeln. Beim ersten Augenschein ist nichts zu finden. Doch beim Drunterkriechen zeigt sich, dass ein Hinterreifen einen Teil seiner Lauffläche abgeworfen hat. Die letzten 200 Kilometer auf Sand haben den Reifen regelrecht wegggeschmirgelt und der letzte Rest ist jetzt weggeflogen.
Alles kein Problem, in Windhoek gibt es Reifen. Und kurz vor Windhoek in Elisenheim ein gutes Camp für die nächsten Wochen. Um auf den Platz zu kommen, muss man durch einen Fluss fahren, der aber an 99 von 100 Tagen ein großer Parkplatz ist. Wir haben es noch vorm Regen geschafft, doch auch, wenn das Wasser bis zur Reifenoberkante steht, ist es unproblematisch. Der Untergrund ist ja fest.
Wir brauchen jetzt ein bisschen Ruhe, das Auto ein bisschen Zuwendung, unser Container ein bisschen Aufräumung und Deutschland ein bisschen Daumendrückung bei der Bundestagswahl.
Das mit der Bundestagswahl klappt nicht wirklich und wir sind ziemlich entsetzt über unsere Landsleute. Offensichtlich reicht ein Blick über den großen Teich nicht aus, um endlich aufzuwachen.
Doch die anderen Sachen kriegen wir gebacken. Der neue Reifen ist der teuerste, den wir je hatten. Auch unserer Container ist jetzt wieder aufgeräumt.
Liegt da wirklich Schnee vorm Container? Ja. Doch er kam nicht vom Himmel, sondern als Abfall aus dem Kühlhaus nebenan und hat während der Arbeit im Container angenehm gekühlt.
Da unser Schwerpunkt in Zukunft weitgehend in Pretoria und Südafrika liegen wird, haben wir so viel wie möglich mitgenommen. Werkzeuge, Ersatzteile, Material. Alle möglichen Hohlräume im Bus sind vollgestopft. Und quer über dem vorderen Dachträger thront eine nagelneue Stoßstange. Wir sehen aus wie ein Tier mit hängenden Hörnern, doch es soll ja nur die nächsten 2000 km halten. Und das tut es.
Sonntag, 9.3.25 (Windhoek-Gobabis) Abgang! Nach dem letzten Einkaufen verlassen wir Windhoek nach Osten. Gut 300 km weiter liegt die Tierfarm Harnas, aber das wollen wir heute noch nicht schaffen.
Die Ausfallstraße quer durch die Berge zum Flughafen werden wir wohl zum letzten Mal benutzen, denn der parallel laufende neue Schnellweg ist fast fertig.
Am frühen Nachmittag fahren wir auf das Xain Quaz Camp, von dem wir viel Gutes gehört haben. Es dauert zwar ewig, bis man uns das Tor aufmacht, doch dann sieht die Anlage ganz ordentlich aus. Das einzige, was fehlt, ist ein Mensch. Wir stehen fünf Minuten herum, dann taucht hinterm Zaun ein Mann auf und fragt etwas unwirsch, was wir denn wollten. „Auf dem Camp übernachten“. Er dreht sich um und verschwindet wieder. Und wir stehen nochmal zehn Minuten dumm herum, dann reicht‘s uns. Andere Väter haben auch schöne Töchter. Ein paar Kilometer weiter liegt ein anderes Camp, die Goba-Goba-Lodge.
Die Zufahrt ist ein wenig holperig, aber der Empfang ist nett und unser Plätzchen ebenfalls. Wir werden in Zukunft Bewertungen weniger ernst nehmen und stattdessen lieber selber nachschauen und auch mal das Risiko eingehen, vorher nichts zu wissen.
Montag, 10.3. bis Dienstag, 11.3.25 (Gobabis-Harnas) Wir lassen es langsam angehen. Die 100 km bis Harnas sind ja in zwei Stunden geschafft. Heute geht es sogar noch schneller, weil die Piste neu geschoben wurde.
Harnas ist genauso leer wie fast alle anderen Camps. Freie Auswahl auf dem Platz.
Für die hier frei herumlaufenden Strauße (oder Sträuße?) ist ein leeres Camp eher langweilig. Am nächsten Morgen sind sie deshalb im Anmarsch auf uns. Sie sehen zwar aus, als würden sie in friedlicher Absicht kommen, doch sie haben immer eine ziemlich verheerende Waffe dabei. Ein Tritt von ihnen kann Knochen brechen.
Wir wollen gerade gemütlich frühstücken, doch müssen dann schnell alles in Sicherheit bringen. Wirklich alles! Strauße fressen sogar Steine, weil sie die in ihrem Magen zur Unterstützung der Verdauung brauchen. Das hätte sie vor 100 Jahren beinahe ausgerottet. Denn in manchen Steinen steckten Diamanten, die, weil sie nicht mit der Zeit im Magen zerrieben werden, schließlich den Magen füllten. Die Strauße ließen sich leider nicht überreden, ihren Mageninhalt freiwillig an die Diamantensucher zu übergeben und die machten dann kurzen Prozess.
Unsere Strauße sind lediglich neugierig, zupfen ein bisschen am Auto und an den Kabeln herum und verschieben unser Frühstück in die Mittagszeit.
Am Nachmittag haben wir viel Spaß mit den Mungos. Normalerweise kamen die immer morgens anstelle der Strauße zum Antrittsbesuch, doch jetzt treiben sie sich auf der großen Wiese vorm Restaurant herum. Sie leben extrem sozial und haben sogar eine Kita, in der die Kleinen tagsüber professionell betreut we rde n.
Am Nachmittag nimmt uns eine Angestellte mit auf eine kleine Fütterungstour. Die hier lebenden Raubtiere können leider nicht mehr ausgewildert werden. Entweder, weil sie nie gelernt haben, in der Wildnis zu überleben, oder weil sie unheilbar krank sind.
Auch außerhalb der Gehege begegnet man vielen Tieren, die, wenn sie wollten, uns auch auf dem Camp besuchen könnten. Neben den üblichen Zebras, Antilopen, Giraffen könnten morgens auch ein paar Nashörner vorm Bus stehen. Da würde es nicht viel helfen, unsere Sachen schnell wegzuräumen, die haben ihren Dosenöffner immer dabei.
Die kommen natürlich nicht zu uns. Hoffen wir!
Mittwoch, 12.3.25 (Harnas-Stampriet) Von Harnas aus wollen wir 700 km stramm nach Süden, entlang der botswanischen Grenze, dann kommt ein sehr schönes Camp im südafrikanischen Kgalagadi Nationalpark.
Der Haken an der Sache ist, dass wir keine aktuellen Informationen über die Pisten nach Süden haben. Es gibt mehrere Alternativen, doch wir müssen uns relativ früh für eine Route entscheiden und können dann nicht mehr wechseln.
In Gobabis, der nächsten - und einzigen - Stadt in dieser Region müssen wir ohnehin noch einkaufen und tanken. Vielleicht weiß da jemand weiter.
Der Tankwart nicht, der war da noch nie. Wolfgang fragt auch die Kassiererin in der Apotheke, die war da auch noch nie. Die andere Verkäuferin das Gleiche. Ist das ein Sperrgebiert oder lebt da der Grüffelo? Schließlich rührt sich einer der Kunden. Der war zwar auch noch nie in dieser Gegend, aber er weiß, dass die östliche der beiden Pisten bis auf wenige Kilometer zu einer guten Straße ausgebaut wurde.
Mehrere hundert Kilometer neu gebaute Straße und keiner benutzt sie? Die muss ja in einem hervorragenden Zustand sein.
Wir bedanken uns und versuchen unser Glück. Tatsächlich beginnt am Ortsrand eine perfekte neue Asphaltstraße. Wenn man sich auf klappernde Wellblechpiste eingestellt hat, ist das ein wahres Glücksgefühl.
Es ist tatsächlich so gut wie niemand unterwegs und wir schaffen richtig Kilometer. Andererseits: es ist schon ein bisschen langweilig. Die aktuell recht grüne Omaheke-Wüste reicht von Horizont zu Horizont.
Kurz hinter Aminius, dem einzigen Dorf weit und breit, hört der Asphalt tatsächlich auf und wird zu einer ruppigen Baupiste. Nach fast sechs Stunden sind wir durch die Omaheke durch, viel schneller als gedacht, und stehen im Farmhouse Stampriet, einer recht netten Lodge mit einem kleinen Camp.
Wir parken ganz hübsch zwischen mächtigen Palmen und sind - natürlich - die einzigen Gäste.
Donnerstag, 13.3. bis Freitag, 14.3.25 (Stampriet-Kgalagadi Nationalpark) Von Stampriet aus gibt es bis nach Südafrika nur noch Piste, aber vom Allerfeinsten. Regelmäßig gepflegt, ziemlich eben und mit wenigen Kurven. Trotzdem dauert es bis zum Nachmittag, ehe wir an der Grenze stehen.
Hinter der Grenze beginnt der südafrikanisch-botswanische Kgalagadi Nationalpark. Durch den darf man nur durchfahren, wenn man mindestens zwei Tage im Park übernachtet. Um die Übernachtungsmöglichkeiten abzuklären, erlauben uns die Grenzer, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß auf die andere Seite zu gehen. Das Camp gleich hinter der Grenze heißt Mata-Mata, ist eines der schönsten im Park und immer lange im Voraus ausgebucht.
Diesmal nicht! Wir dürfen gleich zwei Nächte bleiben, aber müssen für Übernachtung und Nationalparkeintritt flotte 150 Euro hinlegen.
Dafür ist der Grenzübergang kostenlos.
Der Platz ist ziemlich voll, wir haben wirklich Glück gehabt. Wir stehen direkt am Zaun des beleuchteten Wasserlochs, doch haben wenig Hoffnung, Tiere zu sehen. Es ist um diese Jahreszeit einfach zu grün, die Tiere finden überall Wasser.
Der nächste Morgen beginnt seeehr gemütlich, nachdem die meisten schon von ihrer Morgenrundfahrt zurückkommen sind. Wir haben in den letzten Tagen wahrlich genug Kilometer gemacht.
Am Nachmittag drehen wir eine kleine Runde durch den Park, sehen aber wie erwartet nicht viel. Die Tierwelt hält sich bescheiden zurück.
Leider fahren wir uns auch noch einen Reifen kaputt, aber wenigstens an einer übersichtlichen Stelle. Die Tierwelt hält sich freundlicherweise weiterhin bescheiden zurück.
Samstag, 15.3.25 (Kgalagadi Nationalpark-Upington) Auf nach Süden. Wir sind formal zwar schon in Südafrika, doch die behördliche Abwicklung der Einreise erfolgt erst im nächsten Camp.
Je weiter wir nach Süden kommen, desto trockener wird es. Und desto weniger Autos treffen wir. Auch der Picknick-Platz, auf dem wir immer Pause machen, ist leer.
Hier tut man grundsätzlich gut daran, stets in allen Richtungen die Augen offen zu halten, aber nirgendwo rührt sich etwas.
Ein paar Kilometer weiter liegt vor uns auf der Piste plötzlich eine ziemlich große Kap-Cobra. Wir rollen langsam heran, aber auch da ist kein Leben mehr drinnen. Wir können nichts erkennen, vermuten jedoch, dass sie überfahren worden ist. Schade um sie.
Am frühen Nachmittag treffen wir in Twee Rivieren ein, um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Als Wolfgang seinen Pass zurückbekommt, kriegt er große Augen. Er darf nur eine Woche in Südafrika bleiben. Normal sind drei Monate. Seltsamerweise bekommt Anette mehr Zeit. So etwas Verrücktes hatten wir auch noch nicht. Eine Erklärung wegen der kurzen Dauer und der Unterschiede bekommen wir von der Beamtin nicht. Sie hat halt entschieden, dass es so ist. Punkt! Sie erklärt uns noch, dass wir in Kimberley, was weit weg von unserer Route liegt, eine Verlängerung beantragen könnten. Das würde ein paar Wochen dauern, aber ausreisen müssten wir in jedem Fall rechtzeitig.
Wir sind wirklich sprachlos. Und ratlos. Rein formal hat die Grenzbeamtin tatsächlich die alleinige Entscheidungshoheit, wie uns die südafrikanische Botschaft in Berlin mal mitgeteilt hatte. Ist sie auf Geld aus, was wir aber in Südafrika noch nicht erlebt haben? Waren wir irgendwie unfreundlich? Hat sie schlechte Laune?
Sie lässt uns stehen und verschwindet wortlos in ihrem Büro. Wahrscheinlich haben wir einfach nur Pech gehabt. Alle paar Jahre trifft man auf solche Typen und dieses Jahr waren wir mal wieder dran. Glücklicherweise sind solche Deppen ziemlich selten, sowohl hier als auch im Rest der Welt.
Unsere gesamte Planung für die nächsten Wochen ist jetzt im Eimer. Wir könnten versuchen, ins Nachbarland Botswana auszureisen, um an einem anderen Grenzübergang nach Südafrika ein länger gültiges Visum zu bekommen. Doch das ist ziemlich spekulativ und kostet zusätzlich Zeit.
Wir entscheiden uns, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist, auch mangels echter Alternativen. Also Vollgas nach Pretoria, Auto wegpacken und Abflug. Es sind noch 1100 km, alles auf guter Straße.
Nach 250 km wird es dunkel und wir übernachten in einer Lodge, wo wir schon einige Male waren. Wir wundern uns über die vielen Fließrillen auf dem Camp. Die Chefin erzählt uns, dass die ganze Gegend vor zwei Wochen noch tief unter Wasser stand.
Das wär’s doch gewesen, wenn wir jetzt hier auch noch für ein paar Tage festgehangen hätten!
Wir haben trotzdem ein Problem. Schon wieder ist ein Reifen platt und wir müssen das letzte Ersatzrad montieren. Jetzt wird es ein Vabanque-Spiel. Die Region ist ziemlich dünn besiedelt und nicht in jedem Dorf gibt es eine Werkstatt.
Die einzige größere Stadt, Upington, liegt unmittelbar vor uns. Doch da wir morgen sehr früh los müssen, wird noch niemand offen haben. Es ist Sonntag. Wir wären ja schon froh, wenn wir genügend Sprit tanken könnten.
Sonntag, 16.3.25 (Upington-Pretoria) Um sieben Uhr geht’s los. Upington ist wie ausgestorben, aber wir können Sprit bunkern. Der Tankwart macht uns wenig Hoffnung, heute eine Werkstatt zu finden.
300 km weiter liegt der nächste größere Ort, Kuruman. Wenn wir unterwegs Reifenprobleme kriegen, müssen wir selber ran und flicken. Das sollte aber auch kein Drama sein.
Noch vor dem Mittag erreichen wir Kuruman, mit vier intakten Reifen! Eine Werkstatt ist schnell gefunden und die beiden platten Reifen sind bald wieder einsatzfähig.
Es sind noch 570 km bis Pretoria. Sollen wir in einem Rutsch durchziehen oder eine Zwischenübernachtung einlegen?
Wir versuchen, es noch heute zu schaffen, werden aber die letzten Stunden im Dunkeln fahren müssen. Das machen wir nur höchst ungern, andererseits sind wir um diese Zeit schon im Großraum Johannesburg/Pretoria, wo die Hauptstraßen und sogar die Autobahnen beleuchtet sind.
Die Fahrerei ist zwar langweilig zwischen den endlosen Feldern, aber wir kommen gut vorwärts. Der Motor schnurrt und die Reifen sind dicht.
Tatsächlich sehen wir bei Einbruch der Dunkelheit die Lichter von Johannesburg und rollen auf der vierspurigen Autobahn Richtung Pretoria.
Punkt 20 Uhr sind wir in Riverwood. Nach fast 900km! Soviel sind wir seit Jahrzehnten nicht mehr an einem Tag gefahren. Auch nicht bei unserem Gewaltritt vor ein paar Jahren von Windhoek nach Kenia in einer Woche.
Wir fallen aus dem Auto, packen schnell das Nötigste ins Chalet und sind froh, wieder in unserem “zweiten Zuhause” zu sein. Und morgen gibt es wieder einen Sundowner mit Elizabeth und Peter.
Die nächsten Tage werden hektisch.
Montag, 17.3 bis Freitag, 21.3.25 (Riverwood) Spätestens am kommenden Samstag müssen wir außer Landes sein. Doch vorher wollen wir noch mal versuchen, ob wir das Visum hier vor Ort verlängert bekommen, auch wenn die Hoffnung sehr gering ist.
Wolfgang fährt mit Peter zu ein paar Adressen. Wir haben einige Tipps bekommen, wo eine Verlängerung eventuell möglich sein könnte. Die Standardantwort: „Wir machen das nicht, aber fragen Sie mal bei … nach“. Die südafrikanische Regierung hat die Visumabwicklung an eine private Firma ausgelagert (damit nicht nur Staatsangestellte etwas von den Schmiergeldern haben?). Wir haben keine Chance, an irgendjemanden heranzukommen, der versteht was wir wollen.
In einem Bürokomplex am Stadtrand stehen sofort etliche Schlepper bereit, die Sache für uns zu regeln. Bezahlung natürlich vorher. Wir haben ein flaues Gefühl, aber es erscheint uns nicht als völlig aussichtslos. Jedenfalls machen die Schlepper einen ziemlich professionellen Eindruck. Und wir sind nicht die einzigen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen.
Nach und nach ziehen sie uns über 200 Euro aus der Tasche. Unser flaues Gefühl wird stärker, aber es ist noch nicht stark genug, um dies alles richtig zu bewerten. Man gibt uns ständig das Gefühl, dass wir es fast geschafft hätten.
Nach einer Stunde blicken wir endlich durch. Sie haben uns sauber abgezockt. Wir sind auch sicher, dass die Beamten hinter den Schaltern mitgemacht haben und ihren Teil von der Beute abbekommen haben. Das ist einfach ein hochprofessionell aufgezogenes Geschäft mit vielen Beteiligten und wechselnden Rollen und wir waren doof genug, darauf reinzufallen. Hoffnung macht offensichtlich blind. Sehr blind.
Als wir uns zum Abbruch entschließen, sind natürlich alle Beteiligten ruckzuck verschwunden. Außer uns irren noch weitere Opfer auf dem Parkplatz herum. Es ist ein einträgliches Geschäft.
Nach dem Reinfall mit dem Verlängern des Visums, konzentrieren wir uns jetzt darauf, einen Flug zu finden. Die Auswahl ist ziemlich bescheiden und die Preise hoch. Zähneknirschend müssen wir bei einer der arabischen Staatsfluggesellschaften buchen, die wir bisher grundsätzlich gemieden haben. Am besten hört sich das Angebot von Emirates an, da es nicht nur zwei Gepäckstücke enthält, sondern auch noch mit Airbus A380 abgewickelt wird. Mit dem Monstrum wollten wir schon immer mal fliegen. Mal sehen, wie sich das mit 800 weiteren Fluggästen anfühlt.
Da wir den Bus ab jetzt mehrheitlich in Pretoria stehen lassen werden, denn da sind die technischen Möglichkeiten und auch die Flugverbindungen deutlich besser, haben wir alle wichtigen Ersatzteile aus Windhoek hierher gebracht - und jetzt einige doppelt und dreifach. Da bietet es sich an, auf dem Emirates-Flug ein paar selten gebrauchte schwere Teile zurück nach Deutschland zu transportieren.
Am Freitagnachmittag ist der Bus fertig zum Abstellen, alle Koffer sind gepackt und wir genießen ein leckeres Essen und einen schönen Abend bei Craw Daddy’s.
Samstag, 22.3. bis Sonntag, 23.3.25 (Pretoria-München) Der Rest ist schnell erzählt. Am frühen Nachmittag bringen uns Elizabeth und Peter zum Bahnhof in Pretoria-Hatfield. Es wird ein eher trauriger Abschied. Dann ein Stündchen mit der Bahn zum Flughafen und dort mit offenem Mund in den riesigen Airbus eingestiegen. Wirklich beeindruckend!
Bei Einbruch der Dunkelheit gibt der Pilot Vollgas und der Riesenvogel fliegt mit uns nach Arabien.
Um 5 Uhr morgens landen wir pünktlich in Dubai. Der Flughafen ist riesig und modern, aber irgendwie seelenlos. Alles ist nur auf Prunk und Show ausgerichtet. Und auf Kommerz. Ein relativ schlichtes Frühstück kostet 50 Euro.
Drei Stunden später geht es weiter nach Zürich, wieder mit A380.
Alles klappt problemlos. Lediglich die Weiterfahrt per Schweizer Bahn verzögert sich, weil eine Baustelle im Wege ist. Die werden sich doch wohl nicht an der Bundesbahn ein Beispiel nehmen?
Nein, denn der Anschlusszug ist wieder pünktlich und uns fällt auf, dass der Schweizer Zugchef diese Pünktlichkeit bei seinen Durchsagen vor jedem Zwischenhalt in Deutschland auffällig betont. Oder bilden wir uns das nur ein?
Als wir endlich zu Hause sind, ist es schon 8 Uhr abends. Das war ein ganz schön langer Tag. 30 Stunden. Letztlich ist es über Arabien immer ein ziemlicher Umweg, den wir dieses Mal notgedrungen machen mussten, aber in Zukunft wieder vermeiden werden. Ganz unabhängig davon war Emirates sehr ordentlich und pünktlich. Natürlich auch die Schweizer Bahn. Und sogar die Münchner S-Bahn.
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